Transportstrategie und ‑abwicklung

Mit einer erfolgreichen Transportstrategie für Kundenzufriedenheit sorgen

1 Übersicht

Die Herausforderung

Nachdem Sie Ihre Lagerhaltungsstrategie bestimmt und alle Compliance-Anforderungen sowie steuerlichen und rechtlichen Aspekte berücksichtigt haben, sollten Sie einen Plan für die Transportstrategie und ‑abwicklung erstellen. Das hat direkten Einfluss auf die Zufriedenheit der Endkunden und somit auf das Gesamtwachstum sowie den Umsatz.

Das Ziel

Ihr Ziel ist eine Transportstrategie und ‑abwicklung, mit der Sie die Erwartungen der Kunden übertreffen und Ihre Kostenziele erreichen.

Das Transportwesen ist ein relativ komplexer Bereich, den wir im Rahmen dieses Artikels in drei Abschnitte unterteilt haben:

  • Anlieferung: Ein Großteil der Produktfertigung erfolgt in Asien. Deshalb ist eine solide Strategie für den Luft-, See- und Bahntransport aus den entsprechenden Ländern erforderlich.

  • Ausgehende Sendungen: Dieser Bereich ist relevant für Händler mit einer E-Commerce-Präsenz. In der Regel machen die Kosten für ausgehende Warensendungen einen großen Teil der logistischen Gewinn- und Verlustrechnung aus. Sie sollten sich also darauf konzentrieren, diesen Bereich zu optimieren und dabei die Liefergeschwindigkeit für die Kunden zu verbessern.

  • Ausgehende LTL-/TL-Sendungen: Dieses Feld ist relevant für Händler, die Vertriebszentren von Einzelhändlern, Warenhäuser oder eigene Einzelhandelsgeschäfte beliefern, sowie für Spediteure, die die Ware an Transportunternehmen für das letzte Wegstück übergeben. Dieser Transportabschnitt verzeichnet das größte Liefervolumen und trägt dadurch das größte Risiko des Netzwerks. Reibungslose Abläufe im inländischen Vertrieb sind die Grundlage einer zuverlässigen Lieferkette. Wenn Sie einen Überblick über das Angebot nach Markt und Transportart haben, können Sie die besten Alternativen ausfindig machen, um die speziellen Lieferanforderungen von Vertriebszentren und Filialen von Einzelhändlern zu erfüllen. Durch die Auswahl der richtigen Partner verbessern Sie die Flexibilität und Skalierbarkeit Ihres Netzes.

2 Anlieferung

1. Produktionsvolumen und Lieferantenstandorte analysieren

  • Anhand der Analyse der Lieferantenstandorte und des Produktionsvolumens können Sie den geeigneten Frachtführer sowie die Transportart bestimmen. Außerdem lassen sich so die Kosten und die Geschwindigkeit der Anlieferung optimieren.

  • Das Segmentieren des Lieferantenstamms bietet eine Möglichkeit, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Lieferkosten und ‑geschwindigkeit zu erreichen. Nischenlieferanten mit geringem Volumen könnten eventuell an einem zentralen Standort zusammengefasst werden, während für Lieferanten mit großem Volumen der Direktversand infrage kommt.

2. Die richtigen Anbieter für Luft-, See- und Bahnfracht auswählen

  • Es gibt internationale Großunternehmen wie Expeditors, Kühne + Nagel, DHL Global Forwarding oder DB Schenker, die auf verschiedene Bereiche spezialisiert sind. Informieren Sie sich über die Stärken jedes Anbieters, bevor Sie eine Entscheidung treffen.
  • Ihr Anbieterbestand sollte sowohl internationale als auch regionale Unternehmen umfassen, um ein breites Spektrum an Kapazitäten und Kosten zu gewährleisten.

3. Anhand von Produktzyklus und Lagerbestandsanforderungen die geeignete Liefergeschwindigkeit bestimmen – allgemeine Hinweise

  • Minimieren Sie nach Möglichkeit Teilladungen (LCL) und achten Sie auf Angebote für schnellere Lieferungen zu niedrigeren Aufschlägen.
  • Die Lieferung von Asien nach Europa mit dem Schiff dauert normalerweise bis zu 30 Tagen, ist aber am kostengünstigsten.
  • Der Bahntransport nimmt bis zu 20 Tage in Anspruch und ist teurer als Seefracht.
  • Luftfracht (verzögert) dauert bis zu zehn Tage und ist teurer als Bahnfracht.
  • Luftfracht (Standard) dauert bis zu fünf Tage, ist aber auch am teuersten.

4. Einen Zollagenten bestimmen, der gut zu den ausgewählten Frachtführern passt

  • Es empfiehlt sich, einen internationalen Zollagenten mit soliden Systemen und weltweiter Betriebsunterstützung auszuwählen.

  • Für die Anlieferung ist es wichtig, dass Ihr Produkt pünktlich abgefertigt wird und es nicht zu Verzögerungen beim Zoll kommt.

  • Der Zollagent kümmert sich um die erforderlichen Unterlagen, um eine Abfertigung im Rahmen des SLA zu ermöglichen. Außerdem bereitet er die erforderlichen Dokumente für eine erfolgreiche Complianceprüfung vor.

5. Besprechen Sie mit Ihren Lieferanten und Frachtführern die besten Automatisierungsmethoden. Im Folgenden finden Sie einige branchenübliche Verfahren zur Verbesserung der Transparenz, die die Skalierung der betrieblichen Abläufe im Lager erleichtern:

  • PO (EDI 850, 855, 860, 865)
  • ASN EDI 856
  • Transportereignisse EDI 214
  • Einrichtung von Lagereingangsereignissen in EDI 861
  • Abgleich der Liefermeldung (ASN) mit Transportereignissen und Lagereingängen, um Sendungen auf Artikelnummer-Ebene in Echtzeit nachzuverfolgen

3 Ausgehende Sendungen

Der Service bei der Paketzustellung gilt allgemein als wichtiger Einflussfaktor für die Kundenbindung und den E-Commerce-Umsatz. Es kann schwierig sein, eine Zustellungsstrategie zu entwickeln, da Kunden immer schnellere Lieferungen verlangen und die Transportkosten gleichzeitig gesenkt werden müssen. Die Strategie sollte länderspezifisch angepasst werden, um den Erwartungen der Kunden im jeweiligen Land gerecht zu werden.

Sie gliedert sich in zwei Teile: für das erste und für das letzte Wegstück bei Lieferungen und Retouren.

Lieferung:

  • Wenn Sie in einen neuen Markt expandieren möchten, könnten Sie für den Anfang nationale Kurierdienste wie UPS, DHL und Fedex für den Paketversand auf dem ersten und letzten Wegstück einsetzen.

  • In manchen Ländern wird der Markt von lokalen Anbietern beherrscht, sodass Sie dort eventuell ein anderes Konzept anwenden müssen. In Japan beispielsweise dominieren Yamato, Japan Post und Sagawa.

  • Die Preisstaffelung für die Paketzustellung sollten Sie für das jeweilige Produktprofil (Gewicht, Größe) und die Entfernung zum Kunden optimieren.

  • Danach sollten Sie schnell prüfen, ob zur Kostenoptimierung eine Kombination aus Kurier- und Postdiensten erforderlich ist.

  • Informieren Sie sich über die Kundenerwartungen im Hinblick auf Eilzustellungen und differenzierte Zustellungsoptionen (z. B. Click and Collect über Geschäfte und Schließfächer oder planmäßige Zustellung). Dies erleichtert die Anpassung von Angeboten im Front-End und die Auswahl entsprechender Kurierdienste.

  • Als Nächstes sollten Sie sich mit den lokalen Transportfirmen im jeweiligen Markt vertraut machen und sie in Ihren Bestand an Paketzustellern aufnehmen.

  • Für die erste Wegstrecke könnten Sie TL-Anbieter einsetzen und für das letzte Wegstück direkt auf das Paketzentrum eines Transportunternehmens zurückgreifen, um weitere Geschwindigkeits- und Kostenvorteile zu erzielen.

Retouren:

  • Bei Retouren ist es wichtig, den Kunden Möglichkeiten für eine einfache Paketabgabe zu bieten.

  • Fangen Sie eventuell mit Kurierdiensten an und optimieren Sie den Versand später, indem Sie für das erste Wegstück einen Postdienst und für das letzte einen Kurierdienst einsetzen.

  • Je nach Produktprofil kann es sinnvoll sein, für die Rücksendung ein Portfolio von Anbietern zu verwenden, um die Servicequalität zu verbessern.

  • Es ist wichtig, den Kunden eine schnellere Erstattung anzubieten, z. B. beim Eintreffen des Produkts im ersten Paketzentrum (was sich anhand der Sendungsverfolgungsdaten des Transportunternehmens nachvollziehen lässt).

  • Für die erste Wegstrecke könnten Sie TL-Anbieter einsetzen und für das letzte Wegstück direkt auf das Paketzentrum eines Transportunternehmens zurückgreifen, um weitere Geschwindigkeits- und Kostenvorteile zu erzielen.

4 Ausgehende LTL- und TL-Sendungen

1. Das Volumen des Netzes anhand der Versand- und Zielstandorte beurteilen

  • Die Wahl des Transportpartners hängt von den Standorten des Versenders ab. Der Partner muss genügend Lkws für die Erfordernisse Ihres Lagerbetriebs bereitstellen können.

  • Für den Anfang sollten Sie drei bis fünf TL-/LTL-Anbieter prüfen. So lassen sich Ihre Ziele im Hinblick auf Kosten und Service erreichen.

2. Die richtigen LTL-/TL-Partner auswählen

  • Sie sollten entscheiden, ob Sie mit einem Transportunternehmen oder einem Frachtmakler zusammenarbeiten möchten. Beide Teilbereiche der Branche sind gut entwickelt und bieten unterschiedliche Vorteile.

  • Als eine der etabliertesten Branchen umfasst das Transportgewerbe eine ganze Reihe lokaler und nationaler Anbieter. Jeder von ihnen bietet, je nach seinen Geschäftsaktivitäten, Vorteile auf bestimmten Strecken. Ein Transportunternehmen mit einem Kunden, der jeden Tag Waren von Berlin nach Bayern versendet, wird z. B. an Aufträgen für den Rückweg interessiert sein. Das schlägt sich in günstigeren Preise nieder.

3. Überlegen, welches Servicelevel basierend auf dem Produktzyklus benötigt wird – allgemeine Hinweise

  • Palettierte Fracht sollte bei bis zu 12–14 Paletten als Teilladung (LTL) transportiert werden.

  • Bei mehr als 12–14 Paletten empfiehlt es sich, auf Komplettladung (TL) umzustellen, um das Risiko zu minimieren.

  • Sie sollten TL-Unternehmen zur Verfügung haben, die Einzelfahrer und Fahrerteams bieten, damit mit dem LKW weitere Strecken zurückgelegt werden können. Es gibt Beschränkungen für zulässige Fahrzeiten.

  • Mit Expressdiensten können Sie eilige Fracht mit weniger als zwölf Paletten versenden.

4. Automatisierung bei Ausschreibung von Transportaufträgen, Routenplanung und Sendungsverfolgung prüfen

  • Manche TL- und LTL-Unternehmen bieten Informationen zu Transportereignissen im EDI 214-Format. Immer mehr Anbieter folgen diesem Trend. Denn für das Betreiben eines Unternehmens wird es immer wichtiger, die Abholung und Zustellung von Teil- und Komplettladungen nachzuverfolgen.