Lokalisierung: Anbieter für Ihre Anforderungen finden

So wählen Sie geeignete Anbieter aus

1 Überblick

Die Herausforderung

Sobald Sie Ihre Zielgruppe erreicht haben, müssen Sie eine Verbindung zu ihr aufbauen. Dazu ist es erforderlich, dass sich Ihre Übersetzer an den technischen und kulturellen Besonderheiten der Sprache des jeweiligen Exportmarkts orientieren. So können Sie optimal mit Ihrer Zielgruppe interagieren.

Das Ziel

Anbieter finden, die maßgeschneiderte Übersetzungen für Ihre Website liefern. So sprechen Sie die Sprache Ihrer Kunden und präsentieren Ihr Unternehmen weltweit einheitlich.

Vorgehensweise

Die folgenden Richtlinien beschreiben einen systematischen Ansatz für die Einarbeitung und Verwaltung von Übersetzungsdiensten.

Erkundigen Sie sich bei Ihrem Team nach den Anforderungen, bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden. Stellen Sie sich dabei diese Fragen:

Sprachen

Welches sind die Zielsprachen? Kommen eventuell noch weitere Sprachen hinzu?

Volumen

Wie hoch ist die ursprüngliche Wortzahl? Wie häufig erstellen Sie neue Inhalte?

Leistungen

Welche Leistungen benötigen Sie für welche Arten von Inhalten? Beispiele:

  • Für nicht sichtbare Inhalte wie SEO-Metadaten genügen eine leichte Nachbearbeitung maschineller Übersetzungen oder weniger erfahrene Übersetzer.

  • Für rechtliche, technische oder medizinische Fachtexte sind Übersetzer mit entsprechenden Kenntnissen erforderlich.

  • Für kreative Inhalte oder solche mit hoher Sichtbarkeit wie Bilder auf Startseiten sind kreative Übersetzer, Transkreation und Offlinebearbeitung erforderlich.

  • Für Standardtexte wählen Sie allgemeine Übersetzer und eventuell Lektoren.

Zeitlicher Rahmen

Welcher zeitliche Rahmen steht für die angeforderte Leistung und das Inhaltsvolumen zur Verfügung?

Plattform

Welches System (z. B. WordPress) verwenden Sie zum Erstellen und Verwalten von Inhalten?

2 Geeignete Anbieter auswählen

Folgen Sie den Schritten in diesem Leitfaden, um herauszufinden, welcher Anbieter sich für Ihre Zwecke am besten eignet. Wir gehen hier auf den gesamten Ablauf ein, vom Finden eines Anbieters bis zum umfassenden Anbietermanagement.

Schritt 1: Anbieter suchen

Führen Sie eine Google-Suche nach Übersetzungsdiensten durch. Sehen Sie sich die Websites der verschiedenen Anbieter an:

  • Welche Leistungen werden angeboten? Werden bestimmte Leistungen besonders hervorgehoben?
  • Wer sind die Kunden des Anbieters? Sind es hauptsächlich große oder eher kleine Unternehmen oder beides?
  • Hat der Anbieter Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Ihrem?
  • Welche Sprachen werden angeboten?
  • Wo hat der Anbieter seinen Hauptsitz? Gibt es ein Büro in Ihrer Zeitzone?
  • Wann wurde das Unternehmen gegründet?
  • Wer hat es gegründet? Ist der Anbieter auf einen bestimmten Markt spezialisiert?
  • Enthält die Website Preisangaben?

Schritt 2: Angebotene Leistungen und Anbietertypen ermitteln

Die meisten Übersetzungsdienstleister bieten Übersetzungen, Desktop-Publishing, Qualitätsprüfung und Projektmanagement an. Diese Anbieter lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen:

Single Language Vendors (SLV)

Sie bieten Leistungen in einer bzw. wenigen ausgewählten Sprachen ihrer Region an. Anbieter einzelner Sprachen sind meistens günstiger als Anbieter mit mehreren Sprachen. Sie sind daher eine gute Option, wenn Sie Inhalte in maximal drei regionale Sprachen übersetzen möchten.

Multi Language Vendors (MLV)

Sie bieten globale Abdeckung und sind daher der ideale Ansprechpartner für alle Lokalisierungsanforderungen. Anbieter mehrerer Sprachen können gleichzeitig Projekte für verschiedene Regionen abwickeln. Sie greifen in der Regel auf ein Netzwerk aus SLVs, freiberuflichen Übersetzern und fest angestellten Linguisten zurück.

Schritt 3: Passenden Anbietertyp ermitteln

Wenn Sie den passenden Anbietertyp ermitteln, sollten Sie bedenken, dass Sie für die Lokalisierung möglicherweise mehrere SLVs oder vielleicht sogar mehrere MLVs benötigen.

Regionale Kompetenz

Ein SLV hat sich möglicherweise auf Übersetzungen in bestimmten Regionen spezialisiert.

Leistungsspezialisierung

Einige Anbieter haben sich auf bestimmte Leistungen spezialisiert, zum Beispiel auf kreatives Marketing, Transkreation oder die Übersetzung von medizinischen oder rechtlichen Texten.

Leistungen

Es gibt Anbieter, die sich auf Lektorat, Copywriting oder linguistische Tests spezialisiert haben.

Qualitätskontrolle

Wenn Sie möchten, dass Ihre Inhalte einer Qualitätskontrolle unterzogen werden, sollten Sie einen zweiten Anbieter für das Lektorat der Übersetzung einsetzen.

Skalierung und Risikominimierung

Bei einem großen Volumen und engem zeitlichen Rahmen sollten Sie in Erwägung ziehen, mit mehreren Anbietern zusammenzuarbeiten.

Schritt 4: Leistungsanfrage erstellen

  • Fassen Sie Ihre Anforderungen kurz zusammen (Inhalte, benötigte Leistungen, Volumen und Sprachen) und legen Sie sie einigen Anbietern vor.
  • Sammeln Sie Informationen zur linguistischen Kompetenz:
    • Leistungen und Sprachen – eine Liste linguistischer Leistungen einschließlich Spezialisierungen und Fachgebiete.
    • Referenzen – eine Liste mit zwei oder drei professionellen Referenzen einschließlich Kontaktdaten.
    • Kostenvoranschlag – geschätzte Kosten pro Sprache und Inhaltstyp. Preise werden beim Übersetzen normalerweise pro Wort, beim Lektorat pro Wort oder pro Stunde berechnet.

Schritt 5: Auswahl an Anbietern zusammenstellen

Ermitteln Sie, welche Anbieter am besten zu Ihren Anforderungen passen. Welche bieten die gewünschten Leistungen und Sprachen? Wie interessiert ist der Anbieter an der Zusammenarbeit? Achten Sie beispielsweise darauf, wie schnell er auf Ihre ersten Anfragen reagiert.

Schritt 6: Angebotsanfrage erstellen

Erstellen Sie eine Angebotsanfrage und senden Sie sie an die Anbieter in der Auswahlliste. Sie sollte Folgendes enthalten:

  • Beschreibung des Projekts – Stellen Sie Ihr Unternehmen, die Inhalte und die Zielgruppen vor.
  • Ihre Anforderungen – Beschreiben Sie die erforderlichen Leistungen, Zielsprachen und Kompetenzen sowie das Volumen und den vorgesehenen zeitlichen Rahmen.
  • Erforderliche Informationen – Geben Sie an, welche Informationen Sie vom Anbieter benötigen.

Informationen, die Sie von den Anbietern auf der Auswahlliste benötigen

Angaben zum Anbieter

Beispiele:

  • Sprachen
  • Kundenbeispiele
  • Fachkompetenzen
  • Standorte
  • Anzahl der Mitarbeiter

Verfahren zur Qualitätssicherung

Hier können Angaben zur Methodik des Anbieters und zum Verfahren für die Behebung von Problemen gemacht werden.

Zeitlicher Rahmen

Hier können Angaben zur Bearbeitungszeit und zum Verfahren für verspätete Lieferungen und verpasste Fristen gemacht werden.

Ressourcen

Beispiele:

  • Hintergrundinformationen zu den Linguisten
  • Anzahl der angestellten oder vertraglich gebundenen Linguisten des Anbieters
  • Standort der Linguisten
  • Angebotene Schulungen
  • Leistungsmanagement
  • Zuordnung der Anbieterkosten

Organisatorische Unterstützung

Hier können Angaben zu Ansprechpartnern gemacht werden. Wird Ihnen ein eigener Projektmanager zugewiesen? In welcher Zeitzone befindet er sich?

Systeme

Beispiele:

  • Verwendete Plattformen
  • Unterstützte Dateitypen
  • Support für die Verknüpfung mit Ihren Plattformen
  • Ihrerseits erforderliche Ressourcen
  • Eventuelle Kosten für die Verknüpfung

Kostenvoranschlag

Optionen:

  • Fragen Sie nach den Kosten pro Wort/Sprache ja nach Art des Inhalts.
  • Fragen Sie nach Rabatten bei der Nutzung von Translation-Memory-Software.
  • Fragen Sie nach zusätzlichen Kosten, z. B. für Projektmanagement, Nachbearbeitung, Lektorat.

Tipp

Bitten Sie den Anbieter um eine Beispielübersetzung von einem Linguisten, der für Ihre Projekte vorgesehen ist. Sie sollten die Ergebnisse von mindestens zwei Mitarbeitern Ihres Teams prüfen lassen.

Schritt 7: KPIs für den Vertrag mit den ausgewählten Anbietern festlegen

Sie müssen mit jedem ausgewählten Anbieter einen Vertrag abschließen. Er sollte Leistungen und KPIs enthalten, damit Sie verbindliche Maßstäbe für das Lokalisierungsteam haben. Verwenden Sie die folgenden Kennzahlen als Ausgangspunkt und um eventuelle Verbesserungen zu ermitteln.

KPIs für linguistische Qualität

  • Compliance – Einhaltung des Styleguides und der Projektanweisungen.
  • Grammatik – korrekte Grammatik in der Zielsprache.
  • Zeichensetzung/Rechtschreibung – Einhaltung der geltenden Sprachregeln und des Styleguides.
  • Bedeutung – Übertragung der Bedeutung des Originalinhalts.
  • Terminologie – Verwendung der bevorzugten Terminologie aus Glossaren, Styleguides und Translation Memory.
  • Verständnis – Verfassen von Texten, die von Muttersprachlern problemlos verstanden werden.
  • Standards – Vereinbarung von Bewertungskriterien für Fehler. Standards sollten pro Projekt und Wortzahl gelten, beispielsweise pro 1.000 Wörter.

Hinweis: Verwenden Sie einen separaten Anbieter für die Bewertung der linguistischen Qualität, wenn Sie oder der Übersetzungsanbieter keine Ressourcen haben, die die Inhalte objektiv beurteilen können.

KPIs für pünktliche Lieferung

  • Standards: Vereinbaren Sie Kriterien für pünktliche Lieferungen. Sie sollten entweder pro Projekt (bei nur einem Projekt) oder pro Wort (bei laufender Arbeit) gelten.

Schritt 8: Effektive Kommunikation für maximalen Anbietersupport sicherstellen

Die Kommunikation mit den Lokalisierungsanbietern sollte dem Arbeitsumfang gerecht werden. Die folgende Anleitung deckt den gesamten Zeitraum von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Kommunikation nach dem Projekt ab.

Zu Beginn

  • Bitten Sie den Anbieter, wichtige Projektdaten im Auge zu behalten und weiterzugeben, z. B. das Startdatum, den Status und das Lieferdatum.

  • Vereinbaren Sie eine erste Besprechung. Teilen Sie aktuelle Informationen mit und sprechen Sie Probleme an.

  • Informieren Sie den Anbieter über Ihre Qualitätsansprüche. Besprechen Sie Ihre Anforderungen und Erwartungen mit dem Anbieter. Unter Umständen müssen vorhandene Standards aktualisiert werden.

  • Erstellen Sie linguistische Referenzen. Sie können Referenzmaterial wie Screenshots, Styleguides oder Glossare zur Verfügung stellen, aus dem die linguistischen Anforderungen hervorgehen.

Während des Projekts

  • Machen Sie Anbieter sofort auf Qualitätsprobleme aufmerksam. Gehen Sie auf Probleme ein, erklären Sie Standards und sprechen Sie über Problembehebung.

  • Weisen Sie auf Änderungen hin. Besprechen Sie Aktualisierungen des Styleguides, der Glossare, des Verfahrens zur Qualitätssicherung usw.

  • Ermitteln Sie Verbesserungsmöglichkeiten. Leiten Sie Best Practices, Erkenntnisse und Empfehlungen an die Anbieter weiter.

  • Beantworten Sie Anfragen von Anbietern zeitnah. Sie sollten darauf achten, dass Ihre Informationen gut verständlich sind, und gegebenenfalls sowohl Ressourcen als auch Tools mit den Anbietern teilen.

Nach dem Projekt

  • Leiten Sie Feedback an die Anbieter weiter. So wissen sie, was gut funktioniert hat und was beim nächsten Mal verbessert werden sollte.

Mit den oben genannten Richtlinien können Sie Anbieter finden und verwalten, die die gewünschten, qualitativ hochwertigen Übersetzungen liefern.