Produkte von A nach B bringen

Leitfaden zu Fulfillment und Logistik für den internationalen Handel

1 Übersicht

Die Herausforderung

Sie haben die Marktforschung abgeschlossen und für Ihre Produkte einen potenziellen Markt im Ausland ermittelt. Im nächsten Schritt ist zu überlegen, wie Ihre Produkte von A nach B gelangen. Die Entwicklung einer internationalen Logistik- und Fulfillment-Strategie ist entscheidend, damit der neue Markt kontinuierlich und zuverlässig mit Ihren Produkten versorgt werden kann.

Das Ziel

Mithilfe einer internationalen Fulfillment- und Logistikstrategie soll dafür gesorgt werden, dass Bestellungen frist- und budgetgerecht auf dem Exportmarkt geliefert werden.

Mit Ihrer Entscheidung, in einen potenziellen Auslandsmarkt zu expandieren und dort Ihre Produkte zu vertreiben, liegen Sie voll im Trend. Der grenzüberschreitende internationale Handel wächst laut einem Bericht von Accenture und AliResearch aus dem Jahr 2015 jedes Jahr um 28 %.1 Es gibt immer mehr Fulfillment-Center, Transportnetzwerke und Complianceunternehmen, die die wachsende Nachfrage bewältigen. Das Know-how in diesen Unternehmen nimmt stetig zu.

Herangehensweise

Je nach Geschäftsstrategie sit möglicherweise ein grenzüberschreitendes Modell oder eine Niederlassung in einer Region empfehlenswert, z. B. mit eigenem Lager und Fulfillment.

Wenn sich Ihre Lieferanten beispielsweise in Asien, viele Ihrer Kunden aber in Großbritannien befinden, könnten Sie alle Produkte an einen bestimmten Standort in Asien bringen lassen und sie von dort nach Großbritannien versenden – entweder direkt an die Kunden oder an ein regionales Vertriebszentrum, das sich dann um die Kundenwünsche kümmert.

2 Exportanforderungen erfüllen

Die Logistik- und Fulfillment-Strategie für E-Commerce-Unternehmen ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • Ort, von dem aus die Produkte versendet werden
  • Ort, an den die Produkte versendet werden
  • Durchschnittlicher Bestellumfang oder ‑wert
  • Unternehmensmarke und Produktmarge
  • Gewicht des Produkts
  • Präferenzen für Tracking und Versicherung
  • Bevorzugte Transportunternehmen
  • Versandpräferenzen der Kunden
  • Produktkosten
  • Produktbeschränkungen und -vorschriften
  • Zoll und Abgaben

Folgende Punkte sollten Sie berücksichtigen, wenn Sie Ihre Fulfillment-, Transport- und Compliancestrategie ausarbeiten.

Das geeignete Fulfillment-Modell für Ihr Unternehmen finden

Versenden Sie Produkte grenzüberschreitend oder von Region zu Region? Kommen Sie dabei in einen anderen Zollbereich? Die Versandmethode Ihrer Produkte richtet sich nach dem Land, in das sie exportiert.

Ein Beispiel: Der Markt für Ihr Produkt beschränkt sich auf das Land, in dem Sie ansässig sind, erstreckt sich jedoch über ein großes Gebiet. Das ist etwa in den USA häufig der Fall.

Sie könnten dann die Aufträge selbst ausführen oder mit einem Fulfillment-Center eines Drittanbieters in einer zentralen Region zusammenarbeiten. Das Fulfillment-Center sorgt dafür, dass die Produkte schnell versendet werden. Außerdem ist dort bekannt, welche Artikel in bestimmten Märkten verboten sind, und es bestehen Kontakte zu zuverlässigen Kurierdiensten.

Es hat viele Vorteile, einen Drittanbieter für die Logistik einzubeziehen:

  • Sie müssen sich nicht selbst um diesen Aufgabenbereich kümmern.
  • Sie sparen Verwaltungskosten und brauchen keine Mitarbeiter dafür einzustellen.
  • Der Drittanbieter kann Einsparungen bei Verpackungs- und Versandkosten an Sie weitergeben.
  • Wenn Ihre Verkäufe saisonabhängig sind oder Schwankungen unterliegen bzw. Sie vor Ort keine Infrastruktur haben, können Sie Ihr Angebot mithilfe eines Drittanbieters schnell erweitern.


Falls Sie Produkte in einen neuen Zollbereich ausliefern möchten, bietet Ihnen die Zusammenarbeit mit einem Drittanbieter als Fulfillment-Partner folgende Vorteile:

  • Er ist mit den Ein- und Ausfuhrregelungen des neuen Markts vertraut.
  • Er sorgt für einen fristgerechten Versand der Produkte.
  • Er weiß, welche Artikel in bestimmten Exportmärkten verboten sind.
  • Er hat Kontakt zu zuverlässigen Kurierdiensten, die Ihre Produkte rechtzeitig und unbeschädigt zustellen.

Fulfillment-Partner auswählen

Benötigen Sie einen Drittanbieter für die Logistik oder ein eigenes Fulfillment-Center?

Möglicherweise haben Sie bereits mit dem Versand Ihrer Produkte in die potenziellen Märkte im Ausland begonnen. Um Ihren internationalen Umsatz deutlich zu steigern, sollten Sie jedoch, einen Logistik- und Fulfillment-Dienst in Anspruch nehmen, weil Sie dadurch Zeit und Kosten sparen können. Diese Unternehmen kümmern sich um viele Bereiche des internationalen Versands.

Vorteile eines Fulfillment-Partners:

  • Kennt die Ein- und Ausfuhrregelungen für das Produkt
  • Sorgt für den rechtzeitigen Versand des Produkts
  • Automatisiert Bestellungen
  • Wählt verlässliche Kurierdienste für die Zustellung des Produkts aus
  • Senkt die Versandkosten
  • Optimiert den gesamten Versandvorgang

Der Fulfillment-Partner kann im selben Land wie Sie, im Ausland oder in beiden Ländern angesiedelt sein. Wofür Sie sich entscheiden, ist weitgehend von den Zielen für den potenziellen neuen Markt abhängig.

Durch die Auslagerung in ein Fulfillment-Center im Land Ihres potenziellen Markts können Sie die globale Reichweite des Produkts schnell und nahtlos erweitern. Ein Fulfillment-Center kann Ihre Artikel effizienter lagern und an die Kunden liefern, als es für Sie möglich wäre.

Anzahl der erforderlichen Fulfillment-Center

Wie viele Fulfillment-Center Sie einbeziehen sollten, richtet sich nach folgenden Faktoren: geografische Lage des Exportmarkts, voraussichtliche Kundennachfrage nach den Produkten und Ihre finanziellen Mittel.

Sie können sich für ein einziges, großes und zentral gelegenes Fulfillment-Center für die Lieferung Ihrer Produkte entscheiden oder mehrere kleinere nutzen, die Ihnen im täglichen Betrieb vielleicht mehr Flexibilität bieten.

Welche Vertriebskanäle bedient das Fulfillment-Center?

Manche Center, z. B. Amazon, konzentrieren sich ausschließlich auf E-Commerce. Andere übernehmen sowohl E-Commerce- als auch Einzelhandelsaufträge.

3 Transport und Logistik

Ihre internationale Logistik- und Fulfillment-Strategie sollte eine gemeinsame Planung der Transport- und Compliancestrategie umfassen. Denn Entscheidungen zur Compliance wirken sich auf die Transportstrategie aus und umgekehrt. Ihre Lieferanten sollten außerdem die Produktpalette kennen. Informieren Sie sich unbedingt über die Kosten und die Erfahrung Ihres Transportanbieters.

Erwartungen der Kunden hinsichtlich Liefergeschwindigkeit und ‑optionen sowie bei der Nutzererfahrung

Über 50 % der Anrufe und E-Mails, die Exportunternehmen erhalten, beziehen sich auf Probleme mit dem Transport. Es ist verständlich, dass Kunden wissen möchten, wo sich ihr Paket befindet. Setzen Sie einen geschulten Kundendienstmitarbeiter ein, der entsprechende Anrufe entgegennimmt und sich um die Nachverfolgung der Produkte kümmert, damit Ihre Kunden zufrieden bleiben.

Wenn Sie die Aufträge selbst ausführen, sollten Sie sich unbedingt über die Kuriere informieren, die Ihre Produkte im neuen Exportmarkt ausliefern werden. Sie könnten Ihre Kunden außerdem mit Google Surveys zu der für sie optimalen Versandmethode befragen.

Transportmarkt im Zielland untersuchen

Ist der lokale Markt fragmentiert oder gesättigt? Wird er von einigen wenigen Anbietern dominiert?

Ein Fulfillment-Center kennt natürlich die besten Transportunternehmen, die Sie in Ihrem neuen Exportmarkt einsetzen können.

Wenn Sie die Aufträge selbst ausführen, sollten Sie sich genau über die Transportunternehmen in Ihrem Exportmarkt informieren – vom Ruf und von der Reichweite bewährter Kurierdienste bis hin zu kleineren Unternehmen, die vielleicht mehr Flexibilität bieten.

Die richtige Anbieterstrategie finden

Nutzen Sie bestehende Beziehungen zu Drittanbietern. Möglicherweise können sie größere Einsparungen anbieten als Transportpartner.

Fragen Sie Ihren Fulfillment-Anbieter nach seiner Transportstrategie. Viele internationale Fulfillment-Unternehmen sind Experten darin, die Versandkosten niedrig zu halten.

Dazu nutzen sie staatliche Transportunternehmen, die im Gegensatz zu den privaten keine Gebühren für die Zollabfertigung erheben. Teilweise unterhalten sie im jeweiligen Land auch global verfügbare Warenlager, um die Lieferkosten zu reduzieren und Bulktransporte von Ihrer Niederlassung zum Lager durchzuführen.

Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass die Versandkosten für die Kunden im neuen Markt sinken – ein weiterer Grund, sich für Ihre Produkte zu entscheiden.

Strategie für die letzte Meile festlegen

Sie können eine Kombination aus Post- und Kurierdiensten wählen, abhängig vom Produktwert und der erforderlichen Zustellgeschwindigkeit.

Der gewählte Kurierdienst sollte unbedingt im Voraus gebucht werden. Dies ist vor allem in den letzten drei Monaten des Jahres erforderlich, wenn die Versandwege weltweit überlastet sind. Die Gründe hierfür sind Geschenkkäufe zu den Feiertagen, Aktionsangebote des Einzelhandels am Jahresende und Umsatzziele anderer Branchen, die noch erreicht werden müssen. Stellen Sie sich in diesem Zeitraum auf längere Lieferfristen ein.

Strategie für die erste Meile festlegen

Zur Entwicklung einer eigenen Strategie für die erste Meile können Sie auf etablierte Transportanbieter zurückgreifen.

4 Compliance wahren

Importströme von Lieferanten und Exportströme in den neuen Markt analysieren

Der grenzüberschreitende Versand von E-Commerce-Waren funktioniert genau so wie bei internationalen Sendungen und Exportlieferungen.

Wenn eine Bestellung auf Ihrer Website eingeht, holt Ihr Fulfillment-Anbieter das Produkt entweder in Ihrer Niederlassung ab oder er hat es bereits auf Lager.

Anschließend übernimmt der Fulfillment-Anbieter das Verpacken, das Ausfüllen der Versandpapiere und, gemeinsam mit dem Versandanbieter, die Auslieferung an den Kunden.

Kenntnisse über die Versandbedingungen für internationale Kunden sind essenziell, um einen Überblick über die zusätzlichen Kosten und Versandbedingungen beim grenzüberschreitenden Handel (Incoterms, International Commercial Terms) zu gewinnen.

Für den herkömmlichen Export und den grenzüberschreitenden E-Commerce gelten dieselben Incoterms.

Es ist wichtig zu wissen, wer bei einem Verkaufsvertrag zwischen Ihnen und dem potenziellen Exportmarkt die verschiedenen Kosten und Risiken trägt. Wenn Sie die Lieferbedingungen Ihrer weltweiten Verkaufsverträge kennen, können Sie Unsicherheiten und Missverständnisse bei Ihnen und den Käufern Ihrer Produkte vermeiden.

Körperschaften und Steuerpflicht

Prüfen Sie, ob Sie in einer Region eine eigene Körperschaft gründen und Einfuhren selbst durchführen müssen oder ob Sie für den Kauf und die Einfuhr Ihrer Produkte auf einen Drittanbieter angewiesen sind.

Tarifliche und steuerliche Auswirkungen wichtiger Importprodukte planen

Prüfen Sie, welche Auswirkungen sich für das gewählte Exportland ergeben.

Vorkehrungen gegen teure Einfuhr- und Tarifbarrieren

Beachten Sie die vorhandenen Handelsregelungen wie Freihandelsabkommen oder Zolleinrichtungen.

Planen Sie Ihre Fulfillment- und Logistikstrategie im Voraus, damit Ihre Produkte effizient und kostengünstig an die Kunden geliefert werden – ganz unabhängig davon, wo sie sich befinden.