Doing Business-Bericht 2016: Bewertung potenzieller Märkte

Informationen zu administrativen, behördlichen und logistischen Herausforderungen

Doing Business-Bericht 2016: Bewertung potenzieller Märkte

1 Überblick

Die Herausforderung

Wenn man in einen neuen Markt – etablierter oder Schwellenmarkt – expandieren möchte, sollte man die möglichen administrativen, behördlichen und logistischen Herausforderungen kennen.

Das Ziel

Die neue Methodik der Indikatoren des Doing Business-Berichts 2016 verstehen, mit der Informationen über Länder gewonnen werden. Ausgehend von diesen Informationen entscheiden, welche Länder sich für Sie am besten als Exportmärkte eignen.

Inwieweit sind die Indikatoren des Doing Business-Berichts 2016 für Ihr Unternehmen hilfreich?

Der Zeitaufwand, der für Import und Export von Produkten erforderlich ist, variiert je nach Land erheblich. Wenn Sie wissen, welche Länder die effizientesten Import- und Exportverfahren haben, können Sie viel Zeit und Geld sparen.

Viele Unternehmen nutzen die Indikatoren des Doing Business-Berichts, um sich ein Bild von den Import- und Exportverfahren der Länder weltweit zu machen. Um Unternehmen noch genauere Informationen zu den Import- und Exportverfahren weltweit bieten zu können, wurde für den Doing Business-Report 2016 eine neue Methodik verwendet.

Dabei wurden die Zeit und die Kosten erfasst, die für drei obligatorische Verfahren beim Import und Export anfallen:

  • Abwicklung der Verfahren für die Dokumentation
  • Abwicklung der Verfahren für den grenzüberschreitenden Verkehr
  • Inländischer Transport

Erstmals berücksichtigt der Doing Business-Bericht 2016 beim Bewerten der Exportverfahren auch das Produkt des komparativen Kostenvorteils für alle Volkswirtschaften. Bei Importverfahren konzentriert sich der Bericht auf Kfz-Teile, da diese Produkte sehr gängig sind. Unternehmen erhalten so genauere und repräsentativere Daten.

Über den Link unten gelangen Sie zum Doing Business-Index und können sich Ihre Märkte ansehen oder mehr über die Messwerte und die Methodik dahinter erfahren.

2 Doing Business-Bericht 2016, ein neuer Ansatz

Die Indikatoren des Doing Business-Berichts für den grenzüberschreitenden Handel gehören zu den ersten weltweiten Messwerten der zeitlichen und finanziellen Auswirkungen, die administrative, behördliche und logistische Verfahren auf den internationalen Handel haben.

2016 wurde für den Doing Business-Bericht eine neue Methodik verwendet, bei der die Annahmen der Fallstudien für Importe und Exporte angepasst wurden.

Bei den Exporten untersuchte die Fallstudie im Doing Business-Bericht wie viel Zeit und welche Kosten für die Abwicklung der Verfahren für Transport, grenzüberschreitenden Verkehr und Dokumentation anfallen, und zwar für eine Sendung von 15 Tonnen eines Nicht-Rohstoff-Produkts.

Dabei wurde die Sendung von einem Lager in der grössten Stadt bis zu der Landesgrenze oder dem Hafen verfolgt, der am häufigsten genutzt wird und von dem aus die Sendung an den Hauptexportpartner für das Produkt ausgeführt wird.1

Bei den Importen verfolgte die Studie die Sendung von der Landesgrenze oder dem Hafen, der in der Volkswirtschaft am häufigsten genutzt wird, zu einem Lager in der grössten Stadt. Die Sendung bestand bei allen Volkswirtschaften aus 15 Tonnen Kfz-Teilen in Containern.

Die neue Methodik, die der Studie zugrunde liegt, basiert auf der Annahme, dass der internationale Handelsfluss bestimmt wird durch

  • den komparativen Kostenvorteil,
  • Verbraucherpräferenzen,
  • die internationale Produktionsstruktur und
  • die Grösse und geografische Lage einer Volkswirtschaft und deren Handelspartner.

  1. Bei elf Volkswirtschaften wurden separate Daten für die grösste und die zweitgrösste Stadt erfasst. 

3 Ergebnisse des Doing Business-Berichts für Importe

Die Zollverfahren beim Export in Länder weltweit unterscheiden sich danach, um welches Produkt es sich handelt und in welches Land es ausgeführt wird.

Die folgenden beiden Fallstudien zeigen zwei Beispiele: eines für Importe und eines für Exporte (nächster Abschnitt).

Studie zum Import von Kfz-Teilen

Alle 189 Volkswirtschaften, die im Doing Business-Bericht 2016 untersucht wurden, importieren ähnliche Produkte. Im Doing Business-Bericht wurden Kfz-Teile als einziges Importprodukt all dieser Volkswirtschaften berücksichtigt.

Ergebnisse der Studie

Der Import von Kfz-Teilen ist im Durchschnitt zeitaufwendiger und teurer als der Export.

Für den Import von Kfz-Teilen sind mehr Inspektionen und Verfahren vorgeschrieben als für den Export. Dadurch erhöhen sich der Zeitaufwand und die Kosten für die Abwicklung der Verfahren für den grenzüberschreitenden Verkehr und der Zeitaufwand für die Dokumentation. Beim Import von Kfz-Teilen sind in 40 % der Volkswirtschaften neben dem Zoll auch Inspektionen durch andere Behörden vorgeschrieben.

Der durchschnittliche Zeit- und Kostenaufwand für den Import von Kfz-Teilen ist fast genauso hoch wie beim Export von Agrarerzeugnissen. Ein Grund dafür ist, dass in weiteren 17 % der Volkswirtschaften auch Inspektionen vor der Verschiffung erforderlich sind. Diese Inspektionen werden von Drittanbietern in der Volkswirtschaft durchgeführt, aus der das Kfz-Teil stammt.

Dem Doing Business-Bericht 2016 zufolge liegt der Zeitaufwand für die Abwicklung der Verfahren für den grenzüberschreitenden Verkehr in Ländern mit solchen Inspektionen zwischen 56 und 1.330 Stunden.

4 Ergebnisse des Doing Business-Berichts für Exporte

Exportverfahren unterscheiden sich von Land zu Land. Laut Doing Business-Bericht ist das Beschaffen, Bearbeiten und Einreichen von Dokumenten für Produkte für den landwirtschaftlichen Export doppelt so teuer wie für andere Produktkategorien.

Der Hauptgrund für diese Unterschiede: In 81 % der Volkswirtschaften, deren wichtigstes Exportgut ein Agrarerzeugnis ist, sind produktspezifische Inspektionen und Verfahren für den Export des Produkts erforderlich. Dagegen fordern nur 21 % der anderen Volkswirtschaften produktspezifische Inspektionen für ihre wichtigsten Exportprodukte.

In den Volkswirtschaften, deren wichtigstes Exportgut ein Agrarerzeugnis ist, gibt es gewaltige Unterschiede, was den Zeitaufwand für die Einhaltung der Vorgaben für Dokumentation und grenzüberschreitenden Verkehr angeht. Er liegt zwischen 11 und 210 Stunden.

Von den 69 Volkswirtschaften, deren wichtigstes Exportgut ein Agrarerzeugnis ist, haben 56 produktspezifische Verfahren für den Export.

Von den 118 Volkswirtschaften, deren wichtigstes Exportgut ein metallbasiertes Produkt, ein Schwerindustrie- oder ein Leichtindustrieprodukt ist, haben dagegen nur 25 produktspezifische Verfahren.

Diese Volkswirtschaften verteilen sich auf alle Regionen und Einkommensgruppen, von einkommensstarken OECD-Ländern wie Norwegen bis zu den ärmsten Ländern wie Guinea-Bissau in Afrika.

Grenada und Australien – ein Vergleich

Es kommt nicht so sehr darauf an, ob erweiterte Inspektionen und Verfahren erforderlich sind, sondern ob sie effizient durchgeführt werden.

Ein Beispiel: Sowohl in Grenada als auch in Australien sind hygienebezogene Inspektionen und Zertifikate für das jeweils wichtigste Exportprodukt vorgeschrieben. In Grenada dauert das Verfahren für den grenzüberschreitenden Verkehr für einen Exporteur von Muskat jedoch 101 Stunden und kostet 800 £, während es für einen Exporteur von Fleisch in Australien nur 36 Stunden dauert und 580 £ kostet.

Die Einhaltung der Dokumentationsvorgaben dauert für den Exporteur in Grenada zehnmal so lange wie für den Exporteur in Australien.

5 Daten vergleichen

Laut den Daten im Doing Business-Bericht sind die Importverfahren in einkommensstarken OECD-Ländern im Durchschnitt deutlich kürzer als in anderen Ländern. Das Gleiche gilt für Exportverfahren.

So ist die Abwicklung der Verfahren für den grenzüberschreitenden Verkehr in Kanada deutlich kürzer als in Kamerun.

Kanada

Händler profitieren von einem gut funktionierenden elektronischen System, das den kanadischen mit dem US-amerikanischen Zoll verbindet. Die Abwicklung der gesamten Verfahren zwischen Kanada und den USA lässt sich innerhalb von zwei Stunden erledigen. Die Kosten des Zollverfahrens sind für kanadische Importeure etwa genauso hoch wie für kanadische Exporteure (134 bzw. 130 £).

Afrika

In Afrika dauert die Abwicklung der Zollverfahren für einen Importeur durchschnittlich 160 Stunden, für einen Exporteur durchschnittlich 108 Stunden. Beispielsweise dauert der Export einer Sendung Kakao aus Kamerun 202 Stunden und kostet 763 £. Zum Teil liegt dies daran, dass für Kakao eine pflanzenschutzrechtliche Inspektion erforderlich ist. Der Import von Kfz-Teilen, bei dem vor der Verschiffung eine Inspektion erforderlich ist, dauert 271 Stunden und kostet 1.092 £.

Zusammenfassung

Unternehmen können mithilfe der Indikatoren im Doing Business-Bericht 2016 die Effizienz eines potenziellen neuen Importeurs oder Exporteurs einschätzen. Man sollte mögliche Probleme kennen, bevor man in einem neuen Land Handelsbeziehungen aufbaut. Zeit und Kosten können sowohl aufgrund der Art des exportierten Produkts als auch aufgrund des Landes stark variieren.