Firmengründung mithilfe externer Dienstleister

Vorteile und Kosten von externen Dienstleistern

Firmengründung mithilfe externer Dienstleister

1 Übersicht

Die Herausforderung

Der grösste Kostenfaktor bei der Gründung eines neuen Unternehmens sind die Gebühren für externe Dienstleister wie Anwälte und Notare. Ob Sie deren Dienste in Anspruch nehmen müssen, ist je nach Land und Region verschieden. Um die Gründungskosten niedrig zu halten, sind viele Länder dazu übergegangen, den Prozess online auszulagern. In diesem Leitfaden zeigen wir Ihnen, welche Möglichkeiten Gründer in den verschiedenen Ländern haben.

Das Ziel

Herausfinden, in welchen Ländern und Regionen Firmengründungen notariell beglaubigt werden müssen. So sparen Sie Gründungskosten und können sich sicher sein, dass Sie alle Vorschriften einhalten.

Kosten und Vorteile externer Dienstleister

Bei einer Firmengründung werden meist Anwälte und Notare hinzugezogen. Sie kennen die übliche Vorgehensweise und sorgen dafür, dass alles reibungslos und ordnungsgemäss verläuft. Je nachdem, wo sich Ihr zukünftiges Unternehmen befindet, können für diese externen Dienstleister aber hohe Kosten anfallen.

2 Notare und Kleinunternehmen

Ein Notar ist eine amtlich bestellte Person, die Beglaubigungen und Beurkundungen von Rechtsgeschäften, Tatsachen, Beweisen und Unterschriften vornimmt. Dabei ist er zur Unabhängigkeit und Unparteilichkeit verpflichtet. Die Rechte und Pflichten eines Notars sind je nach Land und Region verschieden.

In Italien können Grundstücksgeschäfte zum Beispiel ausschliesslich über einen Notar abgewickelt werden. Auch Firmengründungen bedürfen einer notariellen Beurkundung.1

Dem Doing Business-Bericht der Weltbank zufolge sind an der Neugründung eines Kleinunternehmens in 76 von 189 gelisteten Volkswirtschaften weltweit Notare beteiligt, wobei eine notarielle Beteiligung in nur 40 dieser 76 Länder gesetzlich vorgeschrieben ist.

Notarkosten

Eine notarielle Beurkundung kann teuer sein. Die Notargebühren für die Gründung eines Unternehmens können bis zu 5,6 % des Pro-Kopf-Einkommens betragen. In einkommensstarken OECD-Ländern sind die Kosten am höchsten, gefolgt von Lateinamerika und der Karibik. In einigen Ländern wie Costa Rica2 gibt es eine Gebührenordnung, in der die Notarkosten für eine Firmeneintragung geregelt sind. In anderen Ländern wird einfach nach Aufwand und Leistungsumfang abgerechnet.

In den OECD-Ländern (Organisation for Economic Co-operation and Development, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ist es üblich, einen Notar zur Gründung eines Kleinunternehmens hinzuzuziehen.

In Italien, Polen und den Niederlanden zum Beispiel werden die Gründungsurkunde und die Satzung des Unternehmens vor einem Notar erstellt.

In den folgenden Regionen müssen Rechtsgeschäfte wie Firmengründungen, Grundstücksübertragungen und Beurkundungen notariell beglaubigt werden:

  • Afrika
  • Lateinamerika
  • Karibik

Afrika

2014 hat die Ministerkonferenz der Organisation für die Harmonisierung des Handelsrechts in Afrika (Organisation for the Harmonisation of Business Law in Africa, OHADA) das Hinzuziehen eines Notars bei Firmenneugründungen in den 17 Mitgliedsstaaten der OHADA freigestellt, gleichwohl in vielen OHADA-Ländern weiterhin Beurkundungspflicht besteht.

In Burkina Faso beglaubigt ein Notar zum Beispiel auch die Erklärung zur Zeichnung des Gründungskapitals.

Die OHADA besteht aus den folgenden 17 Mitgliedsstaaten:

  • Benin
  • Burkina Faso
  • Kamerun
  • Zentralafrikanische Republik
  • Tschad
  • Komoren
  • Elfenbeinküste
  • Demokratische Republik Kongo
  • Äquatorialguinea
  • Gabun
  • Guinea
  • Guinea-Bissau
  • Mali
  • Niger
  • Republik Kongo
  • Senegal
  • Togo

Lateinamerika

In Lateinamerika gibt es kein einheitliches Bild, was die Inanspruchnahme notarieller Dienstleistungen angeht. Zum Beispiel ist eine Firma in Argentinien nicht verpflichtet, ihre Satzung notariell beglaubigen zu lassen.

In Guatemala wiederum müssen Firmengründer ein notarielles Schreiben vorweisen können, um ein Bankkonto zu eröffnen.

Elektronische Systeme

Der Berufsstand des Notars hat sich in einigen einkommensstarken Ländern mit der Einführung elektronischer Systeme stark verändert.

In Belgien gibt es das E-Notariat. Die Gründungsunterlagen werden elektronisch eingereicht und an die verschiedenen Ämter weitergeleitet. Binnen Minuten erhält der Gründer eine Handelsregisternummer. In Kroatien wiederum reichen Notariate ihre Unterlagen elektronisch bei Gericht ein.

Notariatsrecht nach Land

In einem Drittel der Volkswirtschaften Europas und Zentralasiens sind Notare an der Geschäftsgründung beteiligt.

Das 2002 verabschiedete Nortariatsgesetz in Bosnien und Herzegowina sieht zum Beispiel vor, dass alle für die Eintragung einer Gesellschaft erforderlichen Dokumente durch einen Notar erstellt und beglaubigt werden. In der Türkei muss die Buchhaltung eines Unternehmens notariell beglaubigt werden, in Kasachstan der Handelsregisterauszug.


  1. Gesetz 89 vom 16. Februar 1913 

  2. In der durch Rechtsverordnung 36562-JP (Abschnitt 95 a) vom 31. Januar 2011 in Costa Rica festgeschriebenen Gebührenordnung ist für die notarielle Beurkundung eines Gesellschaftsvertrags, unabhängig vom Unternehmen, ein Betrag von 150.000 Colones (288 $) vorgesehen. Gleichwohl sind Notare weiterhin frei in ihrer Gebührengestaltung. 

3 Anwälte und Kleinunternehmen

Kleine Unternehmen wenden sich an einen Anwalt, um

  • Vertragsklauseln zu formulieren,
  • den Gesellschaftsvertrag auszuarbeiten,
  • offizielle Dokumente zu unterzeichnen,
  • die Unternehmenssatzung zu erstellen,
  • Firmennamen zu finden und
  • Gründungsurkunden zu erstellen.

Wenn Sie bei der Firmengründung juristische Dienstleistungen in Anspruch nehmen, kann dies zusätzliche Kosten verursachen. Anwälte sind dabei nicht selten teurer als Notare. Der Doing Business-Bericht der Weltbank besagt, dass in rund 17 Volkswirtschaften Gesetze gelten, die eine Unternehmensregistrierung durch einen Anwalt vorschreiben.

Auf den Bahamas zum Beispiel müssen die zur Unternehmensregistrierung erforderlichen Dokumente durch einen Anwalt erstellt werden.

Wann Sie Rechtsberatung in Anspruch nehmen sollten

Wenn Ihr Gründungsprozess komplex und mit vielen bürokratischen Hürden verbunden ist, sollten Sie professionelle Rechtsberatung in Erwägung ziehen. Ein Anwalt ist zwar teuer, kann aber Zeit sparen und dazu beitragen, dass der Prozess reibungslos abläuft.

Auch in Ländern ohne entsprechende gesetzliche Vorschriften nehmen Start-up-Unternehmen in der Regel die Hilfe von Rechtsberatern in Anspruch. Sie erwarten sich davon einen reibungslosen Ablauf ihrer Firmengründung, die durchaus komplex sein kann.

Hier einige Beispiele für in verschiedenen Ländern angebotene Rechtsdienstleistungen, die in Doing Business erwähnt werden:

  • In Venezuela müssen die zur Firmengründung erforderlichen Unterlagen durch einen Anwalt vorbereitet und geprüft werden. Das kann bis zu fünf Tage dauern und mehr als 87 % eines Pro-Kopf-Einkommens kosten.

  • In St. Lucia muss ein Anwalt prüfen, ob der designierte Firmenname noch verfügbar ist. Sobald der Firmenname durch das Handelsregister bestätigt wurde, bereitet der Anwalt die Gründungsunterlagen vor. Das dauert in der Regel zwei Tage und kostet 18 % eines Pro-Kopf-Einkommens.

  • In Lateinamerika und der Karibik ist der Anteil an Start-up-Unternehmen, die zur Firmengründung einen Anwalt hinzuziehen, am höchsten.

  • Antigua und Barbuda verlangt von den Inhabern eines neuen Unternehmens die Vorlage einer anwaltlichen Bestätigung, dass sie über 18 Jahre alt, geistig gesund und nicht bankrott sind. Ausserdem müssen die Gründungsunterlagen durch einen Anwalt erstellt werden, einschliesslich der Eintragung des Firmensitzes und der Gründungsurkunde.

  • In Ecuador muss die Firmensatzung bei Neugründungen durch einen Anwalt ausgearbeitet werden.

  • Bolivien verlangt von Start-up-Unternehmen, den Gesellschaftsvertrag, die Satzung und die Betriebsverfassung durch einen Anwalt erstellen zu lassen. In der Gebührenverordnung der bolivianischen Anwaltskammer ist ein Mindestbetrag für Firmenneugründungen geregelt. Dieser beläuft sich auf 42 % des Pro-Kopf-Einkommens zuzüglich 2 % des Firmenkapitals.

Länder, in denen rechtliche Beratung bei Firmengründungen unüblich ist

In Subsahara-Afrika sind Rechtsberater eher selten am Firmengründungsprozess beteiligt. Am üblichsten ist dies noch in Südsudan, Swasiland und Uganda.

In mehreren anderen Ländern der Region sind seit Kurzem Reformen in Kraft getreten, die die Notwendigkeit von juristischer Beratung bei der Gründung eines Unternehmens überflüssig gemacht haben.

So gibt es in Liberia seit 2009 Standardvorlagen für Firmensatzungen, die bei verschiedenen Ämtern in Monrovia erhältlich sind. Gründer können diese Unterlagen verwenden, um ihr Gewerbe ohne anwaltliche Hilfe zu registrieren.

Ebenfalls seit 2009 gilt in Südafrika, dass Start-up-Unternehmen ihre Gründungsunterlagen nicht mehr zwingend durch einen Anwalt einreichen lassen müssen.

4 Kosten für die Rechtsberatung

In einkommensstarken OECD-Ländern sind die Notarkosten für eine Firmengründung fast viermal höher als die sonst üblichen Rechtsberatungsgebühren.

Auf Firmengründungen spezialisierte Anwälte kosten zwar Geld, doch der Registereintrag erfolgt dafür normalerweise zügig.

Im weltweiten Vergleich dauert ein Registereintrag über einen Anwalt zwei Tage, während ein Notar fast doppelt so viel Zeit benötigt.

Im Schnitt fallen in Europa und Zentralasien die zweithöchsten Anwaltskosten für die Gewerbeanmeldung an.

Hier einige Beispiele für in verschiedenen Ländern übliche Anwaltskosten:

In Zypern muss der Gesellschaftsvertrag zwingend durch einen Anwalt erstellt werden. Ein kleines bis mittleres Unternehmen bezahlt dafür rund 1.000 £.

In Ungarn muss das neu zu gründende Unternehmen zuerst einen Anwalt als rechtlichen Vertreter benennen, eine Gründungsurkunde erstellen und alle anderen erforderlichen Dokumente vorbereiten. Der Registereintrag muss durch einen Anwalt erfolgen. Die genauen Kosten variieren je nach Aufwand und können bis zu 7 % des Pro-Kopf-Einkommens betragen.

Im Schnitt bezahlt ein Unternehmen 18 % des Pro-Kopf-Einkommens, wenn es die Dienste eines Anwalts zur Gründung in Anspruch nimmt – mehr als für einen Notar.

5 Reformen und bewährte Methoden

Die Rolle externer Dienstleister bei der Firmengründung

An einer Firmengründung können verschiedene externe Parteien beteiligt sein. Dies verursacht Kosten und kann mit Zeitaufwand verbunden sein. Deshalb sind verschiedene Länder dazu übergegangen, die Inanspruchnahme von Dienstleistungen Dritter freizustellen.

So hat zum Beispiel Burundi 2011 ein Gesetz erlassen, das eine notarielle Beurkundung des Gesellschaftsvertrags überflüssig macht. Die Gewerbeanmeldungskosten sanken dadurch um 21 % und der gesamte Vorgang wurde um vier Tage verkürzt.

Vorteile von Registerportalen

Um die Kosten durch externe Dienstleister zu senken, fördern einige Staaten die Verwendung von Registerportalen im Internet. Diese haben den Vorteil, dass die Beglaubigung von Formularen und Dokumenten und die Gewerbeanmeldung ohne Beteiligung eines Anwalts oder Notars erfolgen kann. Dabei sind auch digitale Identitätsnachweise wie elektronische Unterschriften üblich, die ebenfalls eine typische notarielle Aufgabe ersetzen.

In Deutschland1 zum Beispiel ist die elektronische Registereintragung in allen Bundesländern verpflichtend und Unternehmen können entsprechende Bekanntmachungen online veröffentlichen. Dadurch konnte die Zeit zur Gewerbeanmeldung um sechs Tage verkürzt werden.

Die chilenische Regierung wiederum startete 2013 eine Initiative zur Vereinfachung von Firmengründungen, die es Gründern ermöglicht, bestimmte Rechtsformen kostenlos online zu registrieren. Anstelle von zwei Tagen dauert die notarielle Beglaubigung des Gesellschaftsvertrags jetzt nur noch einen Tag.

Fazit

Dienstleistungen von Anwälten und Notaren bieten zusätzliche rechtliche Sicherheit. Die dafür entstehenden Kosten sollten Sie aber von Anfang an in Ihrer Gründungsplanung berücksichtigen. Prüfen Sie, ob sich die Nutzung elektronischer Registerportale für Sie lohnen würde, sofern gesetzlich zulässig.


  1. In Deutschland ist die elektronische Registrierung und Veröffentlichung durch das am 1. Januar 2007 in Kraft getretene Gesetz über elektronische Handelsregister und Genossenschaftsregister sowie das Unternehmensregister geregelt.