Systeme, die auf gute Zollverfahren hinweisen

Wie digitale Zollverfahren den Export erleichtern

1 Überblick

Die Herausforderung

Beim grenzüberschreitenden Handel sollten Sie wissen, ob die Zollverfahren eines Landes die sichere und schnelle Lieferung Ihrer Produkte unterstützen oder behindern.

Das Ziel

Sie möchten erfahren, in welchen Ländern die Verzollung für Exporteure und Importeure durch digitale Systeme beschleunigt wird und wie Sie durch Nutzung dieser Systeme effizienter agieren können.

Positive Auswirkungen digitaler Zollplattformen

Länder, die ihre Zollverfahren digitalisiert haben, bieten bei den täglichen Handelsabläufen mehr Transparenz und Effizienz.

2 Systeme, die ein Zeichen guter Zollverfahren sind

Der weltweite Handel hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Da somit die Koordination verschiedener Handelsgruppen und ‑organisationen stetig an Bedeutung gewonnen hat1, wurde die Single-Window-Plattform in vielen Volkswirtschaften eingeführt.


  1. Elms und Low 2013 

Die Single-Window-Plattform

Das United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business1 definiert ein Single Window als eine Plattform, die es den Beteiligten der Handels- und Transportketten ermöglicht, standardisierte Angaben und Dokumente, die für Einfuhr, Ausfuhr und Versandverfahren erforderlich sind, an eine einzige Anlaufstelle zu übermitteln.

Nutzer können über diese Onlineplattform alle erforderlichen Genehmigungen, Autorisierungen und sonstigen Zertifikate für die Einfuhr und Ausfuhr von Handelswaren beantragen. An das System angeschlossene Behörden haben Zugriff auf Steueridentifikations- und Unternehmenszulassungsdaten. Durch die hohe Effizienz dieses Systems sparen Unternehmen aller Größenordnungen Zeit und Geld und profitieren von einem geringeren Verwaltungsaufwand.

In Ländern mit einer Single-Window-Plattform gibt es weniger Verzögerungen und mehr Transparenz. Das ist vor allem für Unternehmen von Vorteil, bei denen besonderer Wert darauf gelegt wird, dass die Produkte schnell und sicher zum Verbraucher gelangen.

Die Auswertung von Geschäftsdaten zeigt außerdem, dass die Zollabfertigung durch den Einsatz von Technologien beschleunigt wird. Beispielsweise benötigen Händler in Volkswirtschaften mit voll ausgebauten elektronischen Systemen, die die Onlineübermittlung und ‑verarbeitung von Zollanmeldungen für Ausfuhr und Einfuhr ermöglichen, weniger Zeit für die Zollabfertigung.

Kolumbien etwa ist eines der Länder, die das Single-Window-System eingeführt haben, um eine höhere Effizienz beim Zoll zu gewährleisten.

Kolumbiens Single-Window-System

Kolumbien entwickelte Anfang der 2000er-Jahre ein Single-Window-System für den Außenhandel, um Exporte effektiver zu koordinieren. Der Name des Systems lautet Ventanilla Única de Comercio Exterior (VUCE).

Das kolumbianische Single-Window-System verbindet 21 öffentliche Behörden und drei private Unternehmen, die elektronische Signaturen und rechtliche Informationen bereitstellen, über eine Onlineplattform mit Import- und Exporthändlern, Zollbeamten und Handelsvermittlern.

Vorteile einer Single-Window-Plattform

Die Einrichtung einer Single-Window-Plattform in einem Land ist ein klarer Indikator dafür, dass der Handel für Importeure und Exporteure erleichtert werden soll. Denn der Betrieb eines solchen Systems ist kostspielig und seine Einrichtung dauert etwa vier Jahre.

Bei den unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten und Anwendungen eines Single Window überwiegen die Vorteile die Kosten, die durch die Entwicklung eines umfassenden Frameworks entstehen, in das mehrere Handelsakteure eingebunden sind. Zu diesen Vorteilen gehören

  • höhere Umsätze,
  • die Einführung von Risikomanagementverfahren für Regierungen,
  • bessere Vorhersagbarkeit,
  • Kostensenkung und
  • weniger Verzögerungen für Händler.

  1. WTO 2013a 

3 Single Window: Eine globale Erfolgsgeschichte

Unternehmen, die mit unterschiedlichen Ländern weltweit Handel treiben, profitieren von den Zeit- und Kosteneinsparungen durch eine Single-Window-Plattform. In vielen Fällen konnte die Lagerzeit von Waren beim Zoll von mehreren Tagen auf wenige Stunden reduziert werden.

Durch digitale Zollverfahren werden Waren wesentlich schneller abgefertigt und Unternehmen zum Handel mit den entsprechenden Ländern angeregt.

Beispiele:

Philippinen

Seit der Einführung der Single-Window-Plattform hat sich die Lagerzeit beim Zoll für Warenlieferungen von sechs bis acht Tagen auf vier bis sechs Stunden verkürzt, sofern keine verbotenen Artikel deklariert werden.1

Albanien

Durch die Einführung eines digitalen risikobasierten Grenzkontrollverfahrens konnte die Lagerzeit beim albanischen Zoll um 7 % verkürzt und der Wert der Importe zwischen 2007 und 2012 um 7 % gesteigert werden.2

Singapur

TradeNet, das Single Window von Singapur, war weltweit eines der ersten Systeme dieser Art. Mittlerweile werden mehr als 30.000 Zollanmeldungen pro Tag darüber abgewickelt. 99 % der Abfertigungen werden in nur zehn Minuten abgeschlossen und alle Zahlungseingänge erfolgen über Interbanktransaktionen.3

Singapurische Handelsfirmen berichten von Einsparungen zwischen 25 und 30 % bei der Dokumentenverarbeitung.4

Schweden

Schweden gehört ebenfalls zu den ersten Ländern, die ein nationales Single Window eingeführt haben. Es verbindet derzeit die Zollbehörden mit dem Statistikamt und anderen wichtigen Außenhandelsakteuren.5

Die Warenabfertigung in Schweden ist einfach und unkompliziert. Der Händler reicht die Zollanmeldung online ein und der Zoll verarbeitet die relevanten Informationen. Sollte eine Lizenz oder Genehmigung von anderen Behörden benötigt werden, wird sie automatisch über das Single Window angefordert.6

Ungefähr 94 % der Zollerklärungen werden elektronisch eingereicht. Die Plattform wird von etwa 12.000 Unternehmen und 7.000 Bürgern genutzt,7 Sie steht den Anwendern täglich rund um die Uhr kostenlos zur Verfügung.

Single Window über nationale Grenzen hinweg

Single-Window-Plattformen decken mittlerweile ganze Regionen ab. Dies hat eine Reihe von elektronisch verknüpften regionalen Systemen hervorgebracht.

Der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN)

Die Mitglieder dieses Staatenverbands streben die Verknüpfung der nationalen Single-Window-Systeme an, ermöglichen den elektronischen Austausch von Zollinformationen und beschleunigen die Frachtabfertigung.

Durch dieses staatenübergreifende Single Window werden die Gesamtkosten des Handels voraussichtlich um 8 % reduziert. Die größten Einsparungen sind dabei durch eine Senkung der Kosten für den Dokumentenversand zu erwarten.8

Die ASEAN besteht aus den folgenden Mitgliedsstaaten:

  • Brunei Darussalam
  • Kambodscha
  • Indonesien
  • Laos
  • Malaysia
  • Myanmar
  • Philippinen
  • Singapur
  • Thailand
  • Vietnam

  1. Maniego 1999 "Green Channel" bedeutet die Abfertigung von Waren ohne routinemäßige Überprüfung. Der Green Channel-Status wird nur bestimmten Händlern und Produkten gewährt, die entsprechende Kriterien der Zollbehörden erfüllen. Um diese Kriterien zu erfüllen, müssen Händler unter Umständen auf einer von der Regierung genehmigten Unternehmens- oder Produktliste stehen, zu den wichtigsten Importeuren auf Grundlage der gezahlten Zollabgaben zählen oder sich durch ein bisher einwandfreies Geschäftsverhalten auszeichnen. Werden Waren, die nicht zur Liste der Green Channel-Produkte einer Volkswirtschaft gehören, durch den Green Channel befördert, stellt dies ein Zollvergehen dar, das verwaltungsrechtlich und gegebenenfalls strafrechtlich geahndet wird. 

  2. Fernandes, Hillberry und Mendoza Alcantara 2015 

  3. Neo und Leong 1994 

  4. OECD 2009 

  5. Das Single Window verbindet den schwedischen Zoll außerdem mit dem Außenhandelsamt sowie der Landwirtschaftsbehörde, der Aufsichtsbehörde für strategische Produkte, der Steuerbehörde, der Reichsschuldenverwaltung und der Polizei in Schweden sowie mit dem norwegischen und russischen Zoll und der Europäischen Kommission 

  6. http://www.tullverket.se/ 

  7. UNECE 2005 

  8. USAID 2012 

4 Technologie schafft Sicherheit für Unternehmen

Die zunehmende Digitalisierung des Handels führt dazu, dass weniger Zollbeamte an der Abwicklung beteiligt sind und es daher weniger Möglichkeiten für Bestechung und Betrug gibt.

Unternehmen, die mit Volkswirtschaften Handel treiben, die über computergestützte Zollsysteme verfügen, sind seltener von Betrug durch Zollbeamte betroffen.

Das liegt daran, dass computergestützte Lösungen zur Verarbeitung von Zolldokumenten und die allgemeine Automatisierung der Zollabfertigung wenig Möglichkeiten für Eingriffe durch Zollbeamte und somit für Korruption bieten.

Beispiel:

Auf den Philippinen wurde der Korruption in den Zolldiensten erfolgreich entgegengewirkt, indem inzwischen persönliche Interaktionen an Zollstellen durch moderne Technologien eingeschränkt und hohe Strafen für korrupte Beamte verhängt werden.

Aufgrund dieser Reformen werden heute fast 70 % der philippinischen Importe innerhalb von nur zwei Stunden über den Green Channel abgewickelt.1 Mithilfe von Single-Window-Systemen lässt sich auch die beherrschende Position von Zollangestellten einschränken und so Korruption innerhalb der Zolldienste verhindern.

Aufgrund der Automatisierung und Digitalisierung der Verwaltungssysteme ist die Machtstellung der Zollbeamten weitgehend aufgehoben.

Zusammenfassung

Unternehmen können ohne Bedenken Handel mit Ländern treiben, die eine Single-Window-Plattform für die Zollabfertigung eingeführt haben. Mit der Digitalisierung sorgen Regierungen dafür, dass die Verweildauer von Produkten an Zollstellen reduziert, die Effizienz gesteigert und die Korruption eingedämmt wird. Moderne Technologien wirken sich also allgemein positiv auf den gesamten Handelsprozess aus.


  1. Parayno 2004