Systeme, die auf gute Zollverfahren hinweisen

Systeme, die auf gute Zollverfahren hinweisen

1 Überblick

Die Herausforderung

Beim grenzüberschreitenden Handel sollten Sie wissen, ob die Zollverfahren eines Landes die sichere und schnelle Lieferung Ihrer Produkte unterstützen oder behindern.

Das Ziel

Sie wissen, in welchen Ländern digitale Systeme die Verzollung für Exporteure und Importeure beschleunigen und wie Sie mit diesen Systemen effizienter agieren können.

Positive Auswirkungen digitaler Zollplattformen

Länder, die ihre Zollverfahren digitalisiert haben, bieten bei den täglichen Handelsabläufen mehr Transparenz und Effizienz.

2 Systeme, die ein Zeichen guter Zollverfahren sind

Der weltweite Handel hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Da somit die Koordination verschiedener Handelsgruppen und -organisationen stetig an Bedeutung gewonnen hat1, haben viele Volkswirtschaften die Single Window-Plattform eingeführt.

Die Single Window-Plattform

Die CEFACT (Zentrum der Vereinten Nationen für Handelserleichterungen und elektronische Geschäftsprozesse)2 definiert ein Single Window als eine Plattform, die es Handelsbeteiligten ermöglicht, standardisierte Angaben und Dokumente, die für den Import, Export und Versandverfahren erforderlich sind, an eine einzige Anlaufstelle zu übermitteln und damit alle rechtlichen Anforderungen zu erfüllen.

Nutzer können über diese Onlineplattform alle erforderlichen Genehmigungen, Bescheinigungen und sonstige Zertifikate für den Import und Export von Handelswaren beantragen. An das System angeschlossene Behörden haben Zugriff auf Steueridentifikationsdaten und Unterlagen zu Unternehmenseintragungen. Durch die hohe Effizienz dieses Systems sparen Unternehmen aller Grössenordnungen Zeit und Geld und profitieren von einem geringeren Verwaltungsaufwand.

Länder, die eine Single Window-Plattform einsetzen, verzeichnen weniger Verzögerungen und mehr Transparenz. Das sind gute Nachrichten für Unternehmen, die ihre Produkte so schnell und sicher wie möglich an den Verbraucher bringen möchten.

Doing Business-Daten zeigen ausserdem, dass die Zollabfertigung durch den Einsatz von Technologien beschleunigt wird. Händler in Volkswirtschaften mit voll funktionsfähigen elektronischen Systemen, die eine Onlineübermittlung und -verarbeitung von Zollanmeldungen für Import und Export ermöglichen, benötigen z. B. weniger Zeit für die Zollabfertigung.

Kolumbien ist beispielsweise eines der Länder, die das Single Window-System eingeführt haben, um eine höhere Effizienz beim Zoll zu gewährleisten.

Kolumbiens Single Window-System

Kolumbien entwickelte Anfang der 2000er-Jahre ein Single Window-System für den Aussenhandel, um Exporte effektiver zu koordinieren. Der Name des Systems lautet Ventanilla Única de Comercio Exterior (VUCE).

Das kolumbianische Single Window-System verbindet 21 öffentliche Behörden und 3 private Unternehmen, die elektronische Signaturen und rechtliche Informationen bereitstellen, über eine Onlineplattform mit Import- und Exporthändlern, Zollbeamten und Handelsvermittlern.

Vorteile einer Single Windows-Plattform

Die Einrichtung einer Single Window-Plattform ist ein deutliches Zeichen dafür, dass eine Volkswirtschaft den Handel für Importeure und Exporteure erleichtern möchte. Denn die Einrichtung dieses Systems ist kostspielig und dauert etwa vier Jahre.

Trotz der unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten und Anwendungen eines Single Window überwiegen die Vorteile die Kosten, die durch die Entwicklung eines umfassenden Frameworks entstehen, in das mehrere Handelsteilnehmer eingebunden sind. Zu diesen Vorteilen gehören

  • höhere Umsätze,
  • die Einführung von Risikomanagementtechniken für Regierungen,
  • bessere Vorhersagbarkeit,
  • Kostensenkungen und
  • weniger Verzögerungen für Händler.

  1. Elms and Low 2013 

  2. WTO 2013a 

3 Single Window: Eine globale Erfolgsgeschichte

Unternehmen, die mit unterschiedlichen Ländern weltweit Handel betreiben, profitieren von den Zeit- und Kosteneinsparungen, die eine Single Window-Plattform ermöglicht.

In vielen Fällen konnte die Lagerzeit von Waren beim Zoll von mehreren Tagen auf wenige Stunden reduziert werden.

Volkswirtschaften, die ihre Zollverfahren digitalisieren, verkürzen dadurch nicht nur die Abfertigungszeiten, sondern ermutigen Unternehmen auch dazu, mit ihnen Handel zu treiben.

Beispiele:

Philippinen

Seit der Einführung der Single Window-Plattform hat sich die Lagerzeit beim Zoll für Warensendungen von sechs bis acht Tagen auf vier bis sechs Stunden verkürzt, sofern keine verbotenen Gegenstände deklariert werden.1

Albanien

Durch die Einführung eines digitalen risikobasierten Grenzkontrollverfahrens konnte die Lagerzeit von Waren in albanischen Zollstationen um 7 % verkürzt und der Wert der Importe zwischen 2007 und 2012 um 7 % gesteigert werden.2

Singapur

TradeNet, das Single Window für den Handel von Singapur, war eines der ersten Single Window-Systeme weltweit. Mittlerweile werden über TradeNet mehr als 30.000 Zollanmeldungen pro Tag abgewickelt. 99 % der Abfertigungen werden in nur zehn Minuten abgeschlossen und alle Geldeingänge werden im Interbankgeschäft abgewickelt.3

Singapurische Handelsfirmen berichten von Einsparungen zwischen 25 % und 30 % bei der Dokumentenverarbeitung.4

Schweden

Schweden gehört ebenfalls zu den ersten Ländern, die ein nationales Single Window eingeführt haben. Derzeit stellt es eine Verbindung zwischen Zoll, Statistikamt und anderen wichtigen internationalen Handelsteilnehmern her.5

Die Abfertigung von Waren in Schweden ist einfach und unkompliziert. Der Händler reicht die Zollanmeldung online ein und der Zoll verarbeitet die relevanten Informationen. Sollte eine Lizenz oder Genehmigung von anderen Behörden benötigt werden, wird sie automatisch über das Single Window angefordert.6

Ungefähr 94 % der Zollerklärungen werden elektronisch eingereicht. Die Plattform wird von etwa 12.000 Unternehmen und 7.000 Bürgern genutzt.7 Sie ist rund um die Uhr in Betrieb und kostenlos verfügbar.

Single Windows: Jenseits nationaler Grenzen

Single Window-Plattformen decken mittlerweile ganze geografische Regionen ab. Dies hat eine Reihe von elektronisch verknüpften regionalen Systemen hervorgebracht.

Der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN)

Die Mitglieder der ASEAN streben eine Verknüpfung der nationalen Single Window-Systeme an, indem sie den elektronischen Austausch von Zollinformationen ermöglichen und die Frachtabfertigung beschleunigen.

Dieses staatenübergreifende Single Window wird die Gesamtkosten des Handels voraussichtlich um 8 % reduzieren. Die größten Einsparungen werden dabei durch eine Senkung der Kosten für den Dokumentenversand erwartet.8

Die ASEAN besteht aus den folgenden Mitgliedern:

  • Brunei Darussalam
  • Kambodscha
  • Indonesien
  • Laos
  • Malaysia
  • Myanmar
  • Philippinen
  • Singapur
  • Thailand
  • Vietnam

  1. Maniego 1999. "Green Channel" bezeichnet die Abfertigung von Waren ohne routinemässige Überprüfung. Der Green Channel-Status wird nur bestimmten Händlern und Produkten gewährt, die entsprechende Kriterien der Zollbehörden erfüllen. Um diese Kriterien zu erfüllen, müssen Händler unter Umständen auf einer von der Regierung genehmigten Unternehmens- oder Produktliste stehen, zu den wichtigsten Importeuren auf Grundlage der gezahlten Zollabgaben zählen oder sich durch ein bisher einwandfreies Geschäftsverhalten auszeichnen. Werden Waren, die nicht zur Liste der Green Channel-Produkte einer Volkswirtschaft gehören, durch den Green Channel befördert, stellt dies ein Zollvergehen dar, das verwaltungsrechtlich und ggf. strafrechtlich geahndet wird. 

  2. Fernandes, Hillberry and Mendoza Alcantara 2015 

  3. Neo and Leong 1994 

  4. OECD 2009 

  5. Das Single Window verbindet den schwedischen Zoll ausserdem mit dem Aussenhandelsamt, der Landwirtschaftsbehörde, der Aufsichtsbehörde für strategische Produkte, der Steuerbehörde, der Reichsschuldenverwaltung und der Polizei Schwedens, mit dem norwegischen und dem russischen Zoll sowie mit der Europäischen Kommission. 

  6. http://www.tullverket.se/ 

  7. UNECE 2005 

  8. USAID 2012 

4 Technologie schafft Sicherheit für Unternehmen

Die zunehmende Digitalisierung des Handels führt dazu, dass weniger Zollbeamte an der Abwicklung beteiligt sind und es daher weniger Möglichkeiten für Bestechung und Betrug gibt.

Unternehmen, die beim internationalen Handel darauf achten, dass computergestützte Zollsysteme eingesetzt werden, sind seltener von Betrug durch Zollbeamte betroffen.

Das liegt daran, dass computergestützte Lösungen zur Verarbeitung von Zolldokumenten und die allgemeine Automatisierung der Zollabfertigung weniger Möglichkeiten für Eingriffe und Manipulation bieten.

Beispiel:

Auf den Philippinen wurde der Korruption in den Zolldiensten erfolgreich entgegengewirkt, indem persönliche Interaktionen an Zollstellen durch moderne Technologien eingeschränkt und hohe Strafen für korrupte Beamte verhängt wurden.

Aufgrund dieser Reformen werden heute fast 70 % der philippinischen Importe innerhalb von nur zwei Stunden zollfrei abgewickelt.1 Gleichermassen können Single Window-Systeme implementiert werden, die die Monopolmacht von Zollangestellten beschränken, um Korruption innerhalb der Zolldienste zu verhindern.

Automatisierung und Digitalisierung der Verwaltungssysteme haben das Monopol der Zollbeamten weitgehend beendet.

Zusammenfassung

Unternehmen können ohne Bedenken Handel mit Ländern treiben, deren Regierungen für die Zollabfertigung eine Single Window-Plattform eingeführt haben. Mit der Digitalisierung sorgen Regierungen dafür, dass Produkte nicht so lange an Zollstellen liegen, die Effizienz gesteigert und die Korruption eingedämmt wird. Moderne Technologien wirken sich also insgesamt positiv auf den gesamten Handelsprozess aus.


  1. Parayno 2004