Leitfaden für den Doing Business-Bericht

Welche Auswirkungen ein hohes Doing Business-Ranking auf ausländische Investitionen haben könnte

Leitfaden für den Doing Business-Bericht

1 Überblick

Die Herausforderung

In fast 2.000 Artikeln der internationalen Presse wird ein Zusammenhang zwischen einem hohen Doing Business-Ranking und ausländischen Direktinvestitionen hergestellt. Diese Artikel wurden verfasst, nachdem der Doing Business-Bericht im Jahr 2016 von der Weltbank veröffentlicht wurde. Die Autoren ziehen Parallelen zwischen einem hohen Doing Business-Ranking und der Schaffung von Arbeitsplätzen, neuen Technologien und Verfahren, die ausländische Direktinvestitionen begünstigen. Dies hat zur Folge, dass sich viele Unternehmer an Doing Business-Daten orientieren, um herauszufinden, mit welchen Ländern sie Geschäfte tätigen sollten.

Das Ziel

Entscheiden können, ob ein hohes Doing Business-Ranking ein effektiver Indikator für ein unternehmensfreundliches Wirtschaftsklima ist. In diesem Leitfaden wird untersucht, ob ein hoher Doing Business-Indikator darauf hinweist, dass Investitionen in eine andere Volkswirtschaft insgesamt von Vorteil sind.

2 Direktinvestitionen im Ausland und Doing Business-Bewertungen

Doing Business-Indikatoren sind zwar auf kleine und mittlere inländische Unternehmen ausgerichtet, werden aber von vielen politischen Entscheidungsträgern mit grösseren ausländischen Direktinvestitionen in Verbindung gebracht.

Die Doing Business-Daten der Weltbank zeigen, dass Volkswirtschaften, die einer Spitzenbewertung bei der Regulierungspraxis im Jahr 2011 am nächsten kamen, wesentlich mehr ausländische Direktinvestitionen erhielten als solche mit einer durchschnittlichen Bewertung.1 Durchschnittlich bewertete Volkswirtschaften erhielten mehr ausländische Direktinvestitionen als solche mit den niedrigsten Bewertungen.

Wie Doing Business die Wirtschaftsleistung erfasst

Die hier verwendeten Doing Business-Indikatoren sind zusammengesetzte Messwerte des Investitionsklimas, die sich aus der Analyse der sogenannten Distance to Frontier ergeben.

Die Frontier ist ein Mass dafür, wie weit eine Volkswirtschaft von den effizientesten Bedingungen oder der höchsten Bewertung entfernt ist, die seit 2005 für jeden Doing Business-Indikator von einer Volkswirtschaft erreicht wurde.

Im Jahr 2011 erhielten Volkswirtschaften, die näher am "Frontier"-Wert lagen, pro Kopf höhere ausländische Direktinvestitionen.

3 Wesentliche Triebkräfte ausländischer Direktinvestitionen

Es gibt viele Untersuchungen zu den wesentlichen Triebkräften für ausländische Direktinvestitionen. Einem Ansatz zufolge sind die treibenden Kräfte für Direktinvestitionen im Ausland entweder

  • marktorientiert – abhängig von Wirtschaftsgrösse und Standort des Landes,
  • effizienzorientiert – abhängig von Humankapital- oder Infrastrukturqualität oder
  • ressourcenorientiert – abhängig von der Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen oder anderer strategischer Assets.

Diese drei Triebkräfte wurden ausgiebig untersucht.2 Weitere Studien werden unten beschrieben.

Das Gravitationsmodell

Mit diesem Modell wird erklärt, wodurch ausländische Direktinvestitionsströme zwischen zwei bestimmten Ländern ausgelöst werden. Studien bestätigen folgende Faktoren als wichtige Kräfte für Direktinvestitionen im Ausland:

  • Marktgrösse
  • Wachstumsaussichten
  • Entfernung zu wichtigen Märkten
  • Relative Ausstattung mit Arbeitskräften
  • Offenheit für Handel

Beispiel: Je grösser der Markt, desto grösser ist der Rahmen für den Produktionsmassstab von Volkswirtschaften. Dies erhöht die Chancen auf eine Produktion zu wettbewerbsfähigen Preisen.

Die Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa haben in den letzten Jahrzehnten grosse Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen erhalten, da sie als Einstiegspunkte in den riesigen europäischen Markt angesehen werden. Ausserdem verfügen sie über relativ gut ausgebildete Arbeitskräfte.

Institutioneller und regulatorischer Rahmen

Auch der institutionelle und regulatorische Rahmen eines Landes hat sich als wichtiger Entscheidungsfaktor für Direktinvestitionen im Ausland erwiesen.

Eine Studie zeigt, dass die Unabhängigkeit der Justiz und ein flexibler Arbeitsmarkt je nach Investitionsbereich in engem Zusammenhang mit ausländischen Direktinvestitionen stehen.3

Hindernisse für Direktinvestitionen im Ausland

Korruption wirkt ausländischen Direktinvestitionen in hohem Mass entgegen. Sie hat ähnliche Auswirkungen auf ausländische Unternehmen wie hohe Steuersätze.

Indirekte Steuern machen ausländische Investitionen für Investoren unattraktiv, da sie in vielen Ländern höher sind als die direkten ausländischen Ertragsteuern.

Vorschriften für Unternehmen und die Anzahl der Verfahren zur Gründung eines ausländischen Unternehmens sind Investitionshindernisse.

4 Doing Business-Ergebnisse

Eine aktuelle Studie zu Doing Business-Daten für einen Zeitraum von vier Jahren zeigt, dass ein hohes Doing Business-Ranking eines Landes mit grösseren ausländischen Direktinvestitionen verbunden ist.4 Dies liegt daran, dass das Ranking als Hinweis auf ein attraktives Investitionsklima verstanden wird.

Weitere relevante Untersuchungen haben gezeigt, dass Verordnungen für Unternehmen gemäss Doing Business-Analyse die Auswirkungen von ausländischen Direktinvestitionen beeinflussen. Zum Beispiel profitieren Volkswirtschaften mit effektiveren Verordnungen für die Gründung eines Unternehmens stärker von den ausländischen Direktinvestitionen, die sie erhalten.

Was Doing Business-Daten verraten

Für Doing Business wurde eine wirtschaftliche Analyse der Beziehung zwischen Doing Business-Indikatoren und ausländischen Direktinvestitionsströmen durchgeführt. Die Analyse orientierte sich allgemein an dem Modell einer Studie von 2011.5 Bei dieser Studie wurde der Zusammenhang zwischen der Leistung einer Volkswirtschaft gemäss Doing Business-Indikatoren und der Gesamtheit der Zuflüsse von ausländischen Direktinvestitionen aus allen anderen Volkswirtschaften untersucht. Dabei wurden Unterschiede in Bezug auf Makroökonomie- und Governance-Bedingungen berücksichtigt.

Die neue Studie berücksichtigte statt Volkswirtschafts-Rankings "Distance to Frontier"-Bewertungen. Dies sollte präzisere Aussagen darüber zulassen, wie weit die Vorschriften für Unternehmen von den effizientesten Bedingungen entfernt sind.

Für die Analyse wurden Unterschiede bei der Ausfuhr natürlicher Ressourcen berücksichtigt und es wurde eine grössere Stichprobe aus 145 bis 160 Volkswirtschaften für die verschiedenen Spezifikationen herangezogen.6

Untersucht wurde, ob eine Verbindung zwischen den Distance to Frontier-Bewertungen in einem Jahr und den ausländischen Direktinvestitionszuflüssen im Folgejahr besteht.

Ergebnisse der neuen Studie

Bei der neuen Studie wurden Unterschiede in Bezug auf Einkommen, Inflation, Bevölkerungsgrösse, Governance-Massnahmen, Offenheit des Handels und Ausfuhr von Primärgütern berücksichtigt.

Die Ergebnisse zeigten deutlich, dass eine Frontier-Bewertung mit grösseren Zuflüssen aus ausländischen Direktinvestitionen verbunden ist.

Weitere Untersuchungsergebnisse

Höhere inländische Investitionen und das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts7 stehen mit Reformen in Verbindung, die die Qualität der Verordnungen verbessern.

5 Durchdachte Verordnungen sorgen für ein gutes Geschäftsklima

Doing Business-Daten zeigen eine starke, statistisch signifikante Verbindung zwischen ausländischen Direktinvestitionen und dem Grad der angewendeten Verordnungen, der mit Doing Business-Indikatoren erfasst wird. Damit wird das Gesamtinvestitionsklima berücksichtigt und nicht nur Aspekte, die eine Rolle für kleine und mittlere Unternehmen spielen.

Das Ergebnis verweist ausserdem darauf, dass Regierungen, die geeignete Verordnungen in einem Bereich wie dem Inlandsgeschäft erlassen, tendenziell auch andere Bereiche wie Direktinvestitionen angemessen regulieren.8

Der Vergleich der Doing Business-Indikatoren mit anderen Analysen entsprechender Verordnungen unterstützt diese Erkenntnis.

Doing Business-Indikatoren stimmen beispielsweise stark mit ähnlichen Indikatoren des Projekts Investing Across Borders überein, dessen Schwerpunkt auf der Regulierung ausländischer Direktinvestitionen liegt. Die Korrelation zwischen den Distance to Frontier-Messungen der beiden Indikatorgruppen liegt bei 57 %.

Die Korrelation zwischen der Komplexität und den Kosten der Gründung eines inländischen Unternehmens, erfasst von Doing Business, und der Komplexität der Gründung einer örtlichen Tochtergesellschaft einer ausländischen Firma, analysiert von Investing Across Borders, beträgt 81 %.

Für die Gründung eines inländischen Unternehmens in den für Investing Across Borders untersuchten Volkswirtschaften sind im Durchschnitt 8 Verfahren und 26 Tage erforderlich. Die Gründung eines ausländischen Unternehmens in diesen Volkswirtschaften erfordert durchschnittlich jedoch 10 Verfahren und 41 Tage.

Die Korrelation wurde anhand der von Doing Business erfassten Distance to Frontier bei der Gründung eines Unternehmens und der von Investing Across Borders gemessenen Distance to Frontier bei der Gründung eines ausländischen Unternehmens berechnet.

Was ist das Projekt Investing Across Borders?

Das Projekt Investing Across Borders wurde im Jahr 2010 durch die Weltbankgruppe ins Leben gerufen und zeigt Indikatoren für die Regulierung ausländischer Direktinvestitionen in verschiedenen Volkswirtschaften. Die in diesem Leitfaden genannten Indikatoren basieren auf den Daten für 87 Volkswirtschaften, die im Investing Across Borders-Bericht des Jahres 2010 veröffentlicht wurden, sowie auf 5 weiteren Volkswirtschaften, deren Daten erfasst, aber nicht in den ursprünglichen Bericht aufgenommen wurden.

Zusammenfassung

Ausländische Direktinvestitionen sind in Volkswirtschaften höher, die gemäss Doing Business-Indikatoren bessere Leistungen erzielen. Dies gilt auch, wenn Unterschiede zwischen Volkswirtschaften berücksichtigt werden, die als wichtige Faktoren für ausländische Direktinvestitionen erachtet werden. Durchdachte Verordnungen wirken sich ausserdem förderlich auf ausländische Investitionen aus.

6 Quellen

1: Die Doing Business-Indikatoren können auf verschiedene Weise aggregiert werden, um zusammengesetzte Messwerte des Investitionsklimas zu erstellen.

2: Eine Übersicht entsprechender Studien finden Sie z. B. bei Blonigen and Piger (2011); und bei Hornberger, Battat and Kusek (2011).

3: Walsh and Yu (2010)

4: Jayasuriya (2011)

5: Jayasuriya (2011)

6: Jayasuriya (2011) schätzt den Einfluss von Doing Business-Rankings in 84 Volkswirtschaften und weist darauf hin, dass diese kleinere Stichprobe an Volkswirtschaften auf den Einsatz eines unausgewogenen Panels zurückzuführen ist.

7: Zum Beispiel Eifert (2009) und Haidar (2012).

8: Geginat, Gonzalez and Saltane (2012).