Auch nach der Krise ausreichende Lieferkapazitäten bereitstellen

Auswirkungen der Coronapandemie auf Lieferketten und wie Unternehmen darauf reagieren, sich anpassen und erfolgreich bleiben

Die Coronapandemie hat zu umfangreichen und noch nie dagewesenen Änderungen in der Logistikbranche geführt. Viele Menschen verbringen mehr Zeit zu Hause und Unternehmen haben ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Deshalb müssen Lieferanten und Logistik-Drittanbieter umdenken, um ihr Angebot dem immer größeren E-Commerce-Aufkommen anzupassen.1 Viele alteingesessene Unternehmen bringen jetzt auch ihre Digitalisierungsprogramme voran und nutzen dafür die staatliche Unterstützung, mit der Regierungen vieler Länder die Wirtschaft ankurbeln möchten. In Zusammenarbeit mit E-Commerce-Anbietern beschleunigen Firmen den Prozess, um im Geschäft zu bleiben.2

Auch die Lieferketten von Herstellern sind von den Auswirkungen der Coronapandemie betroffen. Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt und die Lager leer sind, stellen die erforderlichen Maßnahmen eine große Belastung für den gesamten Beschaffungsprozess dar.3

Sehen wir uns zunächst an, wie sich die Branche insgesamt aufgrund der Krise und der damit einhergehenden Nachfrageschwankungen verändert hat.

  • Größere Bestellungen: Verbraucher legen ihre Scheu ab, online einzukaufen. Das gilt insbesondere in Südostasien.4
  • Konsumenten sind offen für neue Marken und Produkte: Produktverfügbarkeit und verlässliche Lieferung stehen mittlerweile ganz oben auf der Prioritätenliste der Verbraucher. Nachdem die Lager ihrer gewohnten Einzelhändler leer waren, haben Kaufwillige anderswo nach neuen Produkten und Dienstleistungen gesucht.5
  • Kundenbedürfnisse ändern sich: Neben den Dingen für das alltägliche Leben kaufen die Menschen unter anderem mehr Sport- und Fitnessartikel, Produkte für das eigene Wohlbefinden sowie Einrichtungsgegenstände, um sich den neuen Umständen anzupassen.6

Wie haben Unternehmen reagiert?

  • Der Trend geht in Richtung D2C (Direct to Consumer) und Omni-Channel: Aufgrund der sich ändernden Nachfrage bieten viele Geschäfte ihre Produkte erstmals online an. Einige Unternehmen verwenden D2C-Modelle, um auf die neuen Bedürfnisse einzugehen.7 Es ist davon auszugehen, dass viele Firmen das Onlinegeschäft beibehalten, weil es sich als profitabel erwiesen hat. Deshalb müssen Vertriebs- und Marketingteams eng zusammenarbeiten, um die Nachfrage langfristig zu bewältigen.8
  • Wie Ladengeschäfte sich jetzt von reinen Onlinehändlern abheben: Große Einzelhändler nutzen ihre Logistik und bieten ihren Kunden Optionen wie Drive-in bzw. Abholung im oder sogar vor dem Laden an. So können sie mit reinen Onlinehändlern konkurrieren.9
  • Anpassen: 25.000 Flüge nach und von China wurden in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 storniert.10 Im Vergleich zum Vorjahr war das Lufttransportsystem nur zu 30 % ausgelastet.11 Luftfrachtunternehmen haben reagiert: Sie nutzen indirekte Routen und kaufen zusätzliche Frachtflugzeuge.12

Wie können Sie Ihre Logistik neu aufstellen?

Flexibel sein

Viele Verbraucher haben zum ersten Mal die Vorteile des Onlineshoppings genossen und werden deshalb wahrscheinlich weiterhin online einkaufen. Auch Unternehmen, die sich schnell anpassen mussten und neue Onlinezielgruppen erreicht haben, werden das Rad nicht wieder zurückdrehen wollen. Deshalb sollten sie ihre Lieferketten überprüfen und – wo möglich – digitale Kanäle einsetzen, um effizienter zu sein.13

Allerdings herrscht überall noch große Unsicherheit und Prognosen zur Erholung sowie zu Wachstum bleiben ein Glücksspiel. Nur eines ist sicher: Unternehmen müssen sich weiterhin anpassen und flexibel sein.14

Unternehmen für die Zukunft rüsten

Anpassen und Kundenbeziehungen festigen

Keine Frage, durch die Pandemie wurden viele Lieferketten unterbrochen. Aber sie hat auch dazu geführt, dass Unternehmen sich der großen Bedeutung der Logistik für ihr Geschäft bewusst wurden.

In den kommenden Monaten müssen sie weiterhin auf die Ängste der Verbraucher eingehen und Lösungen wie kontaktlose Lieferungen vor die Haustür oder neue Lieferketten anbieten. Es reicht aber nicht aus, Maßnahmen einzuführen, um die Sicherheit von Kunden zu gewährleisten. Mindestens ebenso wichtig ist es, Verbraucher aktiv und transparent über alle Schritte zu informieren. Künftig sollten Unternehmen ihre Logistik regelmäßig überprüfen, um potenzielle Risiken oder Probleme ausfindig zu machen.15

E-Commerce einführen und in neue Technologien investieren

E-Commerce ist auf dem Vormarsch. Unternehmen sollten deshalb ihr Onlineangebot vergrößern und entweder die eigenen Logistikkapazitäten erweitern oder mit einem erfahrenen externen Anbieter zusammenarbeiten. Mit entsprechenden Softwareanwendungen wie Plattformen zur Inventarverwaltung lässt sich die Logistik optimieren.16

Es ist davon auszugehen, dass es künftig mehr KI-Chatbots oder Onlineshops ohne jegliches Personal geben wird. Im Zuge der Entwicklung von Smart Factories werden auch immer häufiger komplett automatische Logistiksysteme z. B. für Lagerhäuser, Lastkraftwagen und Lieferdrohnen eingesetzt.17

Geringeres Risiko durch Diversifizierung

Unternehmen können die Geschäftskontinuität auch künftig sicherstellen, wenn sie Fertigung und Versand nicht nur über einen Anbieter oder in einem Land abwickeln, sondern ein regionales Netzwerk aufbauen. So sind sie nicht abhängig von einem einzelnen Lieferanten.18 Eine solche Umstellung erfordert sorgfältige Vorbereitung. Dazu sollten Unternehmen mit anderen Beteiligten in Kontakt treten oder mit Netzwerken zusammenarbeiten, die über einen zentralen Touchpoint Zugang zu mehreren Dienstanbietern bereitstellen.19

Allerdings fehlt es kleineren Unternehmen häufig an Ressourcen und Fachwissen, um sich von den großen Playern im Onlinehandel abzugrenzen. Aber auch größere Einzelhändler sind häufig nicht flexibel genug oder scheuen das Risiko, ihre primären Verkaufskanäle aufzulösen.

Die Pandemie hat uns gelehrt, dass Unternehmen ohne D2C-Strategie aufgrund geschlossener Geschäfte oder vorsichtiger Verbraucher schnell in Bedrängnis geraten können. Wer bereits flexibel agiert, erzielt mittlerweile häufig Volumen, die in einigen Bereichen bisherige Spitzenwerte sogar übertreffen.20

Mit Stresstests Resilienz aufbauen

Unternehmen sollten ihre Lieferketten regelmäßig Stresstests unterziehen, um potenzielle Risiken zu ermitteln und zu beseitigen. Dabei gilt es, alle Bereiche zu berücksichtigen: Lieferanten, Hersteller und Logistikzentren ebenso wie Bestände von Fertigprodukten.21 Wenn Unternehmen einen Notfallplan zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes haben, sind sie bei langfristigen Beeinträchtigungen oder in Krisenzeiten gewappnet.22

Weitere Informationen für Unternehmen finden Sie in unseren Best Practices für Betriebsabläufe und auf der Market Finder-Website unter "Logistik".


  1. DHL 

  2. Janio Logistics 

  3. Ingram 

  4. Janio Logistics 

  5. DHL 

  6. DHL 

  7. DHL 

  8. Janio Logistics 

  9. Lotte Global Logistics 

  10. DHL 

  11. Lotte Global Logistics 

  12. DHL 

  13. DHL 

  14. DHL 

  15. DHL 

  16. Janio Logistics 

  17. Lotte Global Logistics 

  18. DHL 

  19. Janio Logistics 

  20. Ingram 

  21. Lotte Global Logistics 

  22. Lotte Global Logistics